… eine Frau in den besten Jahren.

Wer kennt einen Menschen, der beim Betreten des Raumes eine Energie verbreitet, die einem fast den Atem raubt und gleichzeitig stark und voll motiviert macht?

Einmal bin ich einem solchen Menschen begegnet. Einer Frau. Das war im April 2003.

Sie war 40 Jahre alt, blond, kurzhaarig und fuhr einen schwarzen Sportwagen. Den hatte sie sich durch hohen beruflichen Einsatz, unermüdliches Kundenservice und ihre positiv einvernehmende Persönlichkeit verdient. Sie liebte die Menschen. Sie liebte das Leben. 

Ich wusste vom Besuch dieser Frau. Ich war informiert. Und obendrein war ich gewarnt. Gewarnt, dass ich sie nicht anstarren sollte, da sie sehr krank gewesen sei und niemand genau wusste, wie es ihr gerade ging, wie es in ihr aussah. 

Nie vergesse ich den Blick aus dem Fenster auf den Parkplatz direkt unter meinem Büro, als sie gewandt in die offene Parklücke fuhr. Sie stieg aus. Dynamisch. Nahm eine Aktentasche vom Rücksitz, ihr blondes Haar durchbrach kurz die Abenddämmerung auf dem kurzen Weg von Auto bis zum Eingang des Gebäudes. Kurze Zeit später klopfte es an meiner Bürotür: 

Hallo – mein Name ist Ulli F. (Name geändert) – Du musst Reingard sein. Ich habe wirklich schon viel von Dir gehört. Es ist Dir doch recht, wenn wir per-Du sind? – Klar! Natürlich. Mir stockte kurz der Atem vor positiver Energieflut, und trotzdem managte ich, sie zu begrüßen, und sie in das Büro meines Chefs zu geleiten. 

WOW! Ich war einfach nur beeindruckt. Jemand, den ich noch nie gesehen hatte, jemand, der so krank gewesen war und man ihr trotzdem nichts ansah, hatte mich in Sekundenschnelle für sich gewonnen. Bodenständigkeit, offener Blick. 

Meine Aufgabe über die nächsten zweieinhalb Tage war die Seminar- und Eventorganisation für eine Coaching-Veranstaltung, die sie leitete. Diese Zeit ging sehr erfolgreich vorüber. In den Pausen plauderten wir. Jeder erledigte seinen Part tipp-top. Bevor Ulli wieder nach Wien fuhr erhielt ich von ihr einen enorm schönen, mit exotischen Blumen erstellten Strauß, eine Wertschätzung, die ich nie vergessen werde. Den Glücksbambus des Straußes behielt ich.

Später traf ich sie noch zweimal in 2004. Einmal bei einer Veranstaltung mit meinem Chef und dann bei einem Essen in Graz. Auch ein Abend, den ich gut in Erinnerung habe. Bei dieser Gelegenheit gab sie mir ein Buch, das sie geschrieben hatte – Tagebuch einer Gesundung – über ihren Krebs. Mit persönlicher Widmung. Ich war tief berührt. 

Geweint habe ich am 11. August 2005 – als ich erfuhr, dass sie den Kampf doch nicht gewonnen hatte und an diesem Tag im Alter von 42 Jahren an ihrer Erkrankung verstorben war.

Es gibt Begegnungen, die einen ein Leben lang begleiten werden. Mein ‚Bambus‘ von Ulli ist heute über 2 Meter hoch und eine meiner meist versorgtesten Raumpflanzen… 

*inspiriert durch Texterin Sabine Krömer www.ich-schreibe-fuer-sie.de Danke Sabine!


… a woman in her prime.

Who knows someone who when entering the room spreads an energy that almost takes your breath away and at the same time makes you strong and fully motivated?

I met a person like this once. A woman. It was April 2003.

She was 40 years old, blonde, short-haired and drove a black sports car. She earned it through highly professional commitment, tireless customer service and her positive, mutually beneficial personality. She loved people. She loved life.

I knew about this woman’s visit. I was informed. And on top of that, I was warned. Warned not to stare at her as she has been very sick and no one knew exactly how she was doing, what it was like inside her.

I never forget to look out the window at the parking lot directly below my office when she turned neatly into the open parking space. She got out. Dynamic. Took a briefcase from the back seat, her blond hair briefly breaking the dusk on the short walk from the car to the entrance of the building. A short time later there was a knock on my office door:

Hello – my name is Ulli F. – You must be Reingard. I’ve heard a lot about you. Is it ok when I call you by your first name? – Well, of course! I caught my breath briefly from the flood of positive energy, and yet I managed to welcome her and escort her to my boss’s office.

WOW! I was just impressed. Someone I had never seen, someone who had been so sick and still you couldn’t tell, won me over in seconds. Down to earth, open-mindedness.

My task over the next two and a half days was to manage the seminar- and event organization for a coaching event that she was leading. The time passed very successfully. We chatted during the breaks. Everyone did their part perfectly. Before Ulli went back to Vienna, I received an extremely beautiful bouquet made with exotic flowers, an appreciation that I will never forget. I kept the lucky bamboo of the bouquet.

I met her two more times in 2004. Once at an event with my boss and then at a dinner in Graz. Again, an evening that I remember well. On that occasion, she gave me a book that she had written – Diary of Recovery – about her cancer. With a personal dedication. I was deeply touched.

I cried on August 11th, 2005 – when I found out that she had lost the fight and that she had died that day at the age of 42 from her illness.

There are encounters that will stay with you for a lifetime. My ‚bamboo‚ from Ulli is more than 2 meters high now and one of my most cared for indoor-plants …

2 Antworten auf “… eine Frau in den besten Jahren.”

  1. Liebe Reingard, ich kenne die Geschichte ja schon in Kurzform und dennoch habe ich Gänsehaut beim Lesen. Vielleicht auch, weil wir beide eine so ähnliche Story erlebt haben, dass es fast schon unheimlich ist. Bei mir ist es der Benjamin von Iris und bei dir der Bambus von Ulli. Manche Menschen gehen nie … ❤️

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    1. Liebe Sabine – es stimmt, mir erging es beim Festhalten der Geschichte nun auch in schriftlicher Form ganz gleich. Alles kam wieder hoch und Gänsehaut beim Lesen war ein ständiger Begleiter. Danke Dir als Mutmacher und Motivator für diese Geschichte in meinem Blog! DANKE!

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