… ein handgestrickter Teddybär namens ZEN.

Der Tag, als ich vor vielen Jahren das Wort Langeweile aus meinem aktiven Wortschatz gestrichen habe.

Jedes Kind kennt sie: die Langeweile. Weil Kinder die Zeit, die ihnen zur Verfügung steht, noch nicht realistisch einschätzen und vor allem werten können. Es gibt ja soviel davon. Und an manchen Tagen zu viel. Man wartet auf etwas, kann es nicht erwarten und weiß nichts anderes mit der Zeit anzufangen, als sie vergehen zu lassen. Ungenutzt für Produktives, Lehrhaftes, Gestalterisches, Erinnerungswürdiges. 

Aber nicht mit mir. Nicht mehr zumindest.

Den genauen Tag weiß ich natürlich nicht mehr, aber es war noch in meiner Zeit in der Volkschule. Ich hatte wieder einmal – ja, das stimmt so – einen meiner impulsiven Tage, wo Ausgeglichenheit irgendwo in den Sternen stand, aber nicht auf meinem ‚Gutes Benehmen‘ – Menüplan. Ich konnte mit meinem eigenen Temperament kämpfend angeblich ganz schön nervig sein, und so kam es, dass sich ein – mir nicht unbekannter – Satz über die Lippen meiner Mutter in meinem organischen, aber nicht verstehenden Gehör verankerte:

Weißt Du was? Du gehst jetzt in Dein Zimmer, und wenn Du wieder ‚normal‘ bist, kannst Du wiederkommen!

Der Ton in ihrer Stimme ließ keinen Widerspruch zu. Ein Aufstampfen mit dem Fuß brachte nur noch eine nachdrückliche, Richtung weisende Armbewegung, und im tiefen Groll marschierte ich ab in mein Zimmer.

Ich hätte wieder mal explodieren können.

Da lag er nun. Der blöde, angefangene Strickteddybär. Den musste ich noch fertig machen, aber ich war jetzt wirklich nicht gerade der Typ ‚Strickliesl‘. Ich wollte auf Bäume klettern und Pfeile schnitzen. Aber ohne meinen Bruder durfte ich das nicht. Es nervte mich einfach alles…

Dann nahm ich den Teddybären – den angefangenen – und schimpfte mit ihm. Irgendwer musste herhalten. Für meine schlechte Stimmung. Und irgendwie machte es da einen Klick im Kopf bei mir. 

Plötzlich tat mir das leid. Er tat mir leid. Mein rationelles Gehör hat plötzlich etwas mitbekommen. So strickte ich ihn zur vollen Größe. Bauch, Kopf, Arme, Beine. Füllte ihn mit Watte und machte ihn schön bauchig und kuschelig. Dann nähte ich ihm noch Äuglein auf, und einen Mund, die Nase wurde schwierig…

Da kam meine Mama ins Zimmer. Sie wollte sehen, wie es mir ging. Es war so still im Zimmer, und ich hatte mich nicht mehr sehen lassen. 

Voller Freude präsentierte ich ihr meinen Teddy. Selbstgestrickt. Selbst genäht. So lieb ist er geworden und darüber hatte ich meinen Kinderfrust, die Zeit und meine Fähigkeit, Langeweile zu haben, vergessen. Mama half mir mit der Bärennase, und ich hüpfte wie ein verrücktes Huhn – gleich wie davor, aber diesmal vor Glück. 

Ich kann mich ehrlich an keinen Moment in meinem Leben erinnern, in dem es mir nochmals langweilig gewesen wäre. Seit diesem Erlebnis – mit mir selbst -, weiß ich, dass es sich lohnt, Zeit zu nutzen.

Viel später einmal habe ich den Teddy ‚ZEN‘ getauft… 


… a hand-knitted teddy bear named ZEN.

The day when I deleted the word boredom from my active vocabulary many years ago.

Every child knows it: boredom. Because children are not yet able to realistically assess and, above all, evaluate the time that is available to them. There is so much of it. And some days, too much. You are waiting for something; you can’t wait, and you don’t know what to do with time but to just let it pass. Unused for productive, educational, creative, memorable things.

But not with me. At least not anymore.

Of course, I don’t remember the exact day, but it was still when I was in elementary school. Once again – yes, that’s true – I had one of my spirited days where balance was written somewhere in the stars, but not on my ‚good behavior‘ menu plan. I could allegedly be quite annoying when fighting with my own temper, and so it happened that a sentence – not unknown to me – anchored itself through my mother’s lips in my ‘organic’ but not reasoning ear:

You know what? You go to your room right now and when you are ’normal‘ again, you can come back!

The tone in her voice didn’t leave any room for dispute. Stamping with my foot only brought a definite, directional arm movement and in deep resentment I marched off to my room.

I could have exploded again.

There it was now. This stupid, already started teddy bear. I had to finish that, but I really wasn’t exactly the ‚knitting’ type. I wanted to climb trees and carve arrows. But I couldn’t do that without my brother. It just annoyed me …

Then I took the teddy bear – the one I started – and scolded him. Someone had to pay. For my bad mood. And somehow that made a click in my head.

Suddenly I felt sorry. I felt sorry for the bear. My coherent ear suddenly caught something. So, I knitted it to full size. Stomach, head, arms, legs. Filled it with cotton wool and made it nice and fluffy and cozy. I sewed eyes on it, and a mouth, the nose became difficult …

Then my mom came into the room. She wanted to see how I was doing. It was so quiet in the room and I had been gone for quite a while.

I presented my teddy bear to her with great joy. Self-made. Sewn by myself. It has become so lovely, and because of that I had forgotten my childhood frustration, lost time and my ability to be bored. My mom helped me with the bear’s nose, and I jumped like a crazy chicken – just like before, but this time with happiness.

I honestly can’t remember a moment in my life when I was bored again. Since this experience – with myself – I have known that it is worth spending time valuably.

Much later, I named the teddy ‚ZEN‘ …

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