… ein schwere emotionale Zwangslage. (Teil 2)

Wie ich mich zwischen zwei meiner liebsten Männer entscheiden musste.

Fortsetzung…

Da wurde mein Vater bewusstlos, brach zusammen und war für sicher eine Minute ‚weg‘. Ich schob meine Mutter zur Seite, die weder die körperliche Kraft hatte, meinen Vater zu stützen, noch war sie emotional fähig, Herrin der Lage zu sein.

Das war einfach mehr als eine Gastritis. Mein Bruder führte schließlich die Telefonate. Glücklicherweise war ein Notarzt wirklich in der unmittelbaren Nachbarschaft und bereits nach zwei Minuten da. Mein Vater wehrte sich erst und wollte nicht ins Spital, aber wir bestanden alle darauf – inklusive Notarzt. Mein Bruder fuhr mit meiner Mutter nach ins Spital. Ich mit meinem Auto, um flexibel zu sein. Mein Vater wurde stabilisiert. Die erste Diagnose war sehr vage, bis nicht möglich. Untersuchungen waren für den nächsten Tag angesetzt. 

19.12. Ich hatte gleich bei meiner Mutter übernachtet. Wir fuhren ungeduldig wartend am frühen Nachmittag ins LKH in Enzenbach-Rein. Eine genauere Diagnose war laut behandelnder Ärztin noch nicht möglich, mein Vater musste ins LKH-Graz gebracht werden. Sie zog mich in einem näheren Gespräch ins Vertrauen und meinte, dass eine Verengung des Darmes vorlag, aber es könne sich auf Grund der Form laut Ultraschall zwischen Darmwandentzündung (eventuell ausgelöst durch die noch ungeklärte Gastritis) aber auch Tumor handeln. Also irgendwie unerfreulich unbestimmt. Warten.

Mein Vater wurde mit der Rettung ins LKH-West in Graz geführt, wo am 20.12. die nächsten Untersuchungen stattfinden sollten. Insgesamt ging es ihm soweit gut. Die Bewusstlosigkeit hatte er irgendwie ausgeklammert. Wurde ihm aber erklärt. Er muss einen Schmerz gespürt haben, der einfach unerträglich war und so hat der Körper kurzfristig auf Schockzustand umgestellt. Er sah sich zu Weihnachten wieder zu Hause. Ich war mir nicht so sicher.

Die Zeit verging plötzlich extrem schnell. Ich wusste nicht, was ich tun sollte.

Sollte ich meinen Flug zwei Tage später canceln? Es war Abend des 19.12., ich stand nachdem ich das LKH verlasen hatte in der Wohnung und ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ich hatte meinen Mann seit 6 Monaten nicht gesehen, der eine schwere Augenoperation und eine harte Zeit hinter sich hatte, ich selbst war ausgelaugt – mental und auch körperlich von einem sehr intensiven Halbjahr – und hier lag mein Vater im Krankenhaus und niemand wusste, was er wirklich hatte. Ich wollte unbedingt bleiben, aber ich wusste, dass mein Vater das nicht wollte. Er wusste, wie sehr er meine Mutter vermisste, wenn sie nicht zusammen waren – er wollte, dass ich fliege. Am 20.12. lagen auch noch keine definitiven Ergebnisse vor, man wartete auf Befunde.

Mein Mark sagte, bleib. Mein Vater sagte, flieg. Ich dachte – F**K.

Ich entschied mich für den Flug, was nicht hieß, dass ich mich gegen Papa entschied, aber innerlich ganz für mich selbst irgendwie doch. Er bettelte mich aber regelrecht an, zu Mark zu fliegen, denn wenn es „nur eine Kleinigkeit“ war, hätte ich diese überbewertet und Zeit mit Mark vertan. Und wenn es mehr war, dann könne ich ja jederzeit zurückkommen.

Am 27.12.2016 wurde mein Vater Tumor operiert. Bösartig. Metastasen. Tumorstadium 4.

Heilung ausgeschlossen. Palliative, lebensverlängernde Maßnahmen. | Lebensverändernd. Lebensbeendend.

Eines war glasklar. Es gab eindeutig, nur mehr füreinander da sein. Bei jedem Schritt, wann immer er mich brauchte. 

Es war keine Frage einer emotionalen Zwangslage mehr.

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… a severe emotional predicament. (Part 2)

How I had to choose between two of my dearest men.

Continuation …

Then my father passed out, collapsed and was ‚gone‘ for a minute. I shifted my mother aside, who neither had the physical strength to support my father, nor was she emotionally capable of mastering the situation.

It was simply more than gastritis. My brother made the phone calls. Fortunately, an emergency doctor was really in the immediate vicinity and was there within two minutes. My father resisted at first and didn’t want to go to the hospital, but we all insisted – including the emergency doctor. My brother went to the hospital with my mother. I used my car to be flexible. My father was stabilized. The first diagnosis was very vague, even impossible. Examinations were scheduled for the next day.

Dez, 19th. I of course had stayed at my mother’s. We drove impatiently to the LKH in Enzenbach-Rein in the early afternoon. According to the attending doctor, a more precise diagnosis was not yet possible, my father had to be brought to the LKH-Graz. In a closer conversation, she took me into her confidence and said that there was a narrowing of the intestine, but due to the shape according to the ultrasound, this could be between an inflammation of the intestinal wall (possibly triggered by the as yet unexplained gastritis) but also tumor. So somehow unpleasantly indefinite. Waiting.

My father was taken with the ambulance to the LKH-West in Graz, where on December 20th the next investigations should take place. Overall, he’d been doing well so far. Somehow he had excluded the unconsciousness. But it was explained to him. He must have felt a pain that was simply unbearable and so the body changed over to a state of shock for a short time. He saw himself home again for Christmas. I wasn’t so sure.

The time suddenly passed extremely quickly. I did not know, what I should do.

Should I cancel my flight for later? It was the evening of December 19th, I was standing in the apartment after I had left the LKH and I couldn’t think clearly. I hadn’t seen my husband for 6 months, who had had a serious eye operation and a tough time, I myself was drained – mentally and physically from a very intense six-month period – and here my father was in the hospital and nobody knew what he was really suffered from. I really wanted to stay, but I knew my father didn’t want to. He knew how much he missed my mother when they weren’t together – he wanted me to fly. On December 20th no definitive results were available either, they were waiting for findings.

My Mark told me to stay. My dad asked me to fly. I thought – F ** K.

I decided to fly, which didn’t mean that I decided against Papa, but deep inside me I somehow felt that way. But he literally begged me to take the flight to Mark, because if it was „just a little thing“, I would have overrated it and wasted time without Mark. And if it was more, then I could come back anytime.

On December 27th, 2016 my father was tumor operated. Malignant. Metastases. Tumor stage 4. Healing excluded. Palliative, life-extending measures. Life changing. Life ending circumstances.

One thing was crystal clear. That was to absolutely just being there for each other. At every step, whenever he needed me.

It was no longer a question of an emotional predicament.

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