… eine kleine Hilfe mit großer Wirkung.

Oder: Wie mir ein renommierter Zahnarzt die erste Angst genommen hat.

All jene, die meine „Es war einmal …“ – Geschichten lesen, wissen, dass ich über Umwege zu meinem heutigen Aufgabengebiet und schlussendlich Leidenschaft gekommen bin. Für diejenigen, die erst jetzt dazukommen – ich bin eigentlich gelernter Handwerker – Ledergalanteriehersteller- und Taschnermeister.

Aber nun zur Sache.

Zu den Aufgaben dieses Handwerks zählen nicht nur Design und Sonderanfertigungen von Kundenwünschen, sondern auch Reparatur und Restaurierung alter und erhaltenswerter Taschen – besonders auch Ärztebügeltaschen. Diese schönen Stücke aus vergangener Zeit, wiesen feines Handwerk, aber auch Muskel forderndes Einpassen von Bügeln auf, die fachgerecht mit feinen Nägelchen ‚verklopft‘ (ja, das ist der Fachbegriff) werden mussten, um Bügel mit Leder fix zu verbinden. 

Bei einer Restaurierung einer solchen Arzttasche musste ich Neuling also den alten Bügel abmontieren, der mit insgesamt rund 30 kleinen Nägeln mit seinem passenden Metallgegenstück verbunden war. Hierzu wurde ganz einfach ein Schraubenzieher verwendet …

Zwischen Leder und Metallteile – zart aufbiegen – SCHNAPP – Nägelchen herausgehüpft. Zwischen Leder und Metallteile – zart aufbiegen – SCHNAPP – Nägelchen herausgehüpft. Zwischen Leder und Metallteile – zart aufbiegen – AUTSCH – AUSGERUTSCHT.

OH-OH! Der Schraubenzieher steckte im Daumenballen meiner linken Hand.

Ich weiß nicht, wie groß meine Augen aufgerissen waren, aber in diesem Moment musste ich wohl einen Auf- oder Ausschrei von mir gegeben haben, da alle mich ansahen. Mitarbeiter, Chefleute, Kunden ca. 5-6 Meter entfernt von der Werkstatt.

Meine Hand schwoll in Sekundenschnelle wie ein Ballon an – kein Blut. Eigenartig. Ich kann mich genau erinnern, dass ich mir dachte: eigenartig. Ich war irgendwie anscheinend doch geschockt, und da rief meine Chefin auch schon die Rettung an. Die Hand schwoll weiter an.

Da meinte plötzlich ein älterer Herr, der Kunde bei uns war, ob er sich meine Hand ansehen dürfe. Den Schraubenzieher in Balance haltend ging ich zu ihm. Er sah sich die Hand an und meinte, dass er Zahnarzt sei und wenn ich ihm vertraue, er mir den Schraubenzieher rausziehen würde. Blicke wechselten – ja bitte.

Der nette Herr zog das Werkzeug heraus. Noch immer kein Blut. Er verzog das Gesicht. Das sei zwar dumm, meinte er, weil nun das ganze Blut sich in der Hand stauen würde – darum auch die schnelle Anschwellung, es aber keine Besorgnis gäbe. Er meinte aber auch, dass es gut sei, ins Unfallkrankenhaus geführt zu werden, da man hier nicht feststellen konnte, ob eine Sehne verletzt sei. Er meinte dann auch noch, dass es einige Zeit dauern würde, bis das geheilt sei – sogar, wenn die Sehne nicht verletzt sei – da das Blut sich zurückbilden müsse in der Hand.

Die Rettung kam. Meine Kollegin – heute beste Freundin – hatte mir inzwischen meine Habseligkeiten gebracht, und ich wurde von der Rettung ins Spital geführt. Wie oft ich mich bei dem netten Herren bedankt habe – mehr mit Blicken als mit Worten – kann ich heute nicht mehr sagen.

Meine Hand war schließlich blau und wurde verarztet, sah aus wie aus einem schlechten Zombie-Film, ich bekam eine Tetanus-Impfung und mein Krankenstand dauerte zwei Wochen.

Später habe ich dann den Namen des Zahnarztes erfragt und mich noch persönlich bedankt. Dazu bin ich extra in seine Ordination gefahren und habe ausgesuchte Schokolade vorbeigebracht (… auch Zahnärzte mögen mal was Süßes …). Er meinte, dass sei doch selbstverständlich und gar nicht notwendig.

Aber für mich war es in dem Moment meiner ersten (nicht letzten) beruflichen Verletzung ein Segen, dass er da gewesen war – und das sollte man Menschen immer wissen lassen. Manche Menschen machen einen großen Unterschied, auch wenn es für sie selbst eine Kleinigkeit ist.


Or: How a renowned dentist relieved me of my first fear.

All those who read my „Once upon a time …“ stories know that I took a detour to my current area of ​​responsibility and ultimately to my passion. For those who are only now joining – I am actually a skilled craftsman – master or leather haberdashery manufacturing and master bag maker.

But now to the point.

The tasks of this craft include not only design and custom-made products, but also the repair and restoration of old bags that are worth preserving – especially doctors’ bags. These beautiful pieces from a bygone era showed fine craftsmanship, but also muscle-demanding fitting of metal braces, which had to be professionally ‚tapped‘ with fine nails (yes, that’s the technical term) in order to fix the braces together with leather.

When restoring such a doctor’s bag, I – the greenhorn – had to remove the old bracket, which was connected to its matching metal counterpart with a total of around 30 small nails. Used for this was simply a screwdriver …

Between leather and metal parts – bend up gently – SNAP – popped out nail. Between leather and metal parts – bend up gently – SNAP – popped out nail. Between leather and metal parts – bend up gently – OUCH – SLIPPED.

OH-OH! The screwdriver was stuck in the ball of my thumb on my left hand.

I don’t know how big my eyes were, but at that moment I must have made an outcry or an uproar as everyone was looking at me. Employees, boss, customers approximately 15-20 feet away from the workshop.

My hand swelled like a balloon in seconds – no blood. Strange. I can clearly remember thinking to myself: strange. I was somehow apparently shocked after all, and then my boss called the rescue. The hand continued to swell.

Suddenly, an elderly gentleman – a customer – who was right there said and asked, whether he could take a look at my hand. Balancing the screwdriver, I walked over to him. He looked at the hand and said that he was a dentist and that if I trusted him, he would pull out the screwdriver for me. Glances exchanged – yes please.

The nice gentleman pulled out the tool. Still no blood. He made a face. That was too bad, he explained, because now all the blood would accumulate in the hand – hence the rapid swelling, but there was no concern. He also said that it would be good to be taken to the emergency room, since it was not possible to determine whether a tendon was injured here. He then added that it would take some time for it to heal – even if the tendon wasn’t injured – as the blood in the hand would have to recede.

The ambulance arrived. My colleague – now my best friend – had brought me my belongings in the meantime, and the ambulance took me to the hospital. How often I thanked the nice gentleman – more with looks than with words – I can no longer say anymore.

My hand eventually turned completely blue and got medical care, it looked like something out of a bad zombie movie, I got a tetanus shot and my sick leave lasted two weeks.

Later I asked for the name of the dentist and thanked him personally. To do this, I drove to his office and brought selected chocolates over there (… even dentists like something sweet every now and then…). He said that was his pleasure to help and not necessary at all.

But for me at the moment of my first (not the last) professional injury it was a blessing that he had been there – and you should always let people know that. Some people make a big difference, even if it’s a a little thing to them.

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