… eine Überlebensschachtel.

Wie ich vor kurzem in meine abenteuerliche Kindheit eintauchte.

Wenn man in einer Familie aufwächst, wo Angeln ein großes Thema ist, dann lernt man dies von der Pike auf. Auch als Mädchen. 

Mein Urgroßvater war ein Angler, mein Großvater, mein Papa, sein Bruder und auch mein Bruder. Auch mein Onkel mütterlicherseits war ein passionierter Angler, und mit passioniert meine ich im Respekt für die Natur und Kreatur. So bin auch ich in großer Achtung vor der Natur aufgezogen worden und habe sehr viel und vor allem durch meinen Vater diesbezüglich gelernt. 

Ich kenne viele Blumen und Pflanzen, Pilze, Bäume, Insekten, Schlangen, Kröten, Frösche und auch Fische und kann sie bestimmen. Wenn man so aufwächst, warten auch immer und überall kleinere und größere Abenteuer.

So haben mein Bruder Michi und ich Waldhäuser gebaut – das war noch in einer Zeit, wo mir Spinnen egal waren (eines der wenigen nützlichen Tiere, die ich einfach nicht besonders mag) und ich überall mit ihm und manchmal Cousins und Cousine oder mit Nachbarkindern durch’s Dickicht schlurfte, überall Erdschmutzspuren, Kletten im langen Haar und Hautkratzer einsammelnd.

In mancher dunklen Erdhöhle einer alten Baumwurzel (wenn man klein ist, passt man da noch rein) verkrochen erzählten wir uns dann mystische Geschichten, bis wir uns kaum mehr raustrauten. Eines war unseren Eltern dabei aber immer wichtig – bei Einbruch der Dunkelheit mussten wir zuhause sein, worauf sie sich im Großen und Ganzen verlassen konnten. 

Mein Bruder ist vier Jahre älter als ich und wurde von meinem Vater gut dahin erzogen, der Beschützer zu sein – egal, was komme. Der, der auf seine kleine Schwester aufpasst und ihr diverse Handgriffe zeigt, die ihm selbst beigebracht worden waren und die man auch als Mädchen kennen musste. Wie Schnitzen zum Beispiel. Pfeil und Bogen machen aus Weidenästen und einiges mehr.

Da ich fast immer und überall dabei war, stand mir schließlich nach reiflicher Überlegung meines Bruders eine Überlebensschachtel zu.

Diese sah folgendermaßen aus:

Eine Kunststoffschachtel (wasserdicht selbstverständlich) einer seiner Märklin Z Spur Eisenbahnlokomotiven in der Größe 8 x4 x 2,5cm. Auf der Bodenseite hatte mein Bruder meinen Namen und Adresse und die Telefonnummer aufgeklebt. Damit jeder wusste, dass dies auch meine Schachtel war und natürlich, falls mich jemand damit finden sollte, man meine Familie verständigen konnte. Ich hatte schon lange nicht mehr an die alte Telefonnummer gedacht. 

  • Dann enthielt die Schachtel ein paar Streichhölzer und den Abrieb dafür – fein säuberlich ausgeschnitten. 
  • Eine Fischerschnur – um eine kleine Schraube gewickelt und mit Tixo verklebt.
  • Fischerhaken – sicher verpackt in einem kleinen Lederetui
  • Eine Filzstiftverschlusskappe gefüllt mit verschiedenen Fischerschnurbleien – das sind ganz kleine Stücke aus Blei, die man je nach Windstärke oder Intensität eines Fließgewässers anbringt, damit die Schnurspannung passt.
  • Ein Korkschwimmer für Fischen an stilllen Gewässern.
  • Dann ein kleiner Bleistift und ein paar Zettelchen. Für eine Flaschenpost, wie ich heute annehme.
  • Eine Schnur. Für – einfach alles mögliche.
  • Und ein kleiner Spiegel. Der war nicht für die Korrektur der „Klettenimhaar-Frisur“ gedacht oder ob die Erdschmutz-Kriegsbemalung noch in Takt war, sondern um – sobald die Streichhölzer ausgegangen waren – ein Feuer mit dem Lichteinfall der Sonne und etwas Brennbarem wie Stroh oder Heu oder Ähnlichem starten zu können.

Wenn ich so darüber nachdenke, überkommen mich zwei starke Empfindungen.

Die erste ist, wie abenteuerlich dies wirklich gewesen wäre oder auch sein würde, mit einer solchen Überlebensausstattung auskommen zu müssen. Heute wäre das wohl kaum mehr möglich, da es so versteckte und abgelegene Landstriche mit befischbaren Gewässern gar nicht mehr gibt, wo einem nicht innerhalb eines Tages irgendjemand begegnet.

In Kanada oder Sibirien vielleicht – aber da müsste es mich erstmal dorthin verschlagen. Außerdem hätte ich da gerne auch ein Messer oder gar Stärkeres dabei für die Verteidigung gegen Größeres als Spinnen.

Aber was mich wirklich berührt ist, diese Fürsorge, die mein Bruder, der sich selbst ein Überlebensmesser gebaut hatte, in diese kleine Schachtel gepackt hatte. Eine kleine Box mit Hilfsmitteln, um zu überleben. Durchdacht. Präzise ausgesucht, damit alles hineinpasst. Akribisch überlegt, was man da braucht, wenn man in der Wildnis verloren geht.

Eine meiner top Lieblingsgeschichten, wenn es um meine gemeinsame Kindheit mit meinem Bruder geht.


… there was a survival kit.

How I recently immersed into my adventurous childhood.

When you grow up in a family where fishing is a big thing, you learn it from scratch. Even as a girl.

My great-grandfather was a fisherman, my grandfather, my dad, his brother as well as my brother. My uncle (mother side) was also a passionate fisherman, and by passionate, I mean respect for nature and creature. So, I was brought up with great respect for wildlife and learned a lot about it, especially from my father.

I know many flowers and plants, mushrooms, trees, insects, snakes, toads, frogs, and also fish and can identify them. When you grow up like this, smaller and larger adventures always await you everywhere.

This is how my brother Michi and I built forest houses – that was back in a time when I didn’t care about spiders (one of the few valuable animals that I just don’t particularly like) and I shuffled through the thicket with him everywhere and sometimes with cousins ​​or neighbor kids, collecting dirt, burdock in my long hair and scratches on the skin everywhere.

In some dark caves of an old tree root (if you are small, you can still fit in there), we told each other mystical stories until we hardly dared to venture out again. One thing was always important to our parents – when dusk set in, we had to be at home, which they could largely rely on.

My brother is four years older than me and was raised well by my father to be the protector no matter what. The one who takes care of his little sister and shows her various knacks that he had been taught himself and that you had to know even as a girl. Like carving, for example. Making bows and arrows from willow branches and a lot more.

Since I was part of almost everything – always and everywhere and after careful consideration of my brother, I was finally entitled to a survival box.

It looked like this:

A plastic box (waterproof, of course) of one of his Märklin Z gauge railway locomotives in the size 3 x 1,5 x 1 inches. My brother had glued my name, address and phone number on the bottom side. So that everyone knew that this was my box and of course, if someone should find me with it, my family could be informed. I hadn’t thought of the old phone number for a long time.

  • Then the box contained a couple of matches and the abrasion for them – neatly cut out.
  • A fishing line – wrapped around a small screw and fixed with a Scotch tape.
  • Fishing hooks – securely packed in a small leather pouch.
  • A felt-tip pen cap filled with various fishing line leads – these are very small pieces of lead that are attached depending on the wind strength or intensity of a flowing water, so that the fishing line tension fits.
  • A cork float for fishing in calm waters.
  • Then a small pencil and a few pieces of paper. For a message in a bottle, as I assume today.
  • A string. For – just about anything.
  • And a small mirror. This was not intended for correcting the “burdock hairstyle” or whether the dirt war paint was still intact, but rather to to be able to start a fire with the light of the sun and something flammable like straw or hay or the like – as soon as the matches had run out.

When I think about it like this, two strong feelings come over me.

The first is how adventurous it really would have been or would be to have to make do with such survival equipment. Today that would hardly be possible anymore because there are no longer such hidden and remote areas with fishable waters where you don’t meet someone within a day.

Maybe in Canada or Siberia – but I would have to end up there first. I would also like to have a knife or even a something stronger for defense against anything bigger than spiders.

But what really touches me is this care that my brother, who built himself a survival knife, put in this little box. A small box with tools to survive. Thought out. Carefully selected so that everything fits. Meticulously thought about what you need when you get lost in the wilderness.

One of my all-time favorite stories when it comes to my shared childhood time with my brother.

4 Antworten auf “… eine Überlebensschachtel.”

  1. Eine schöne Erinnerung an eine wirklich glückliche Kindheit. Um eine solche beneiden dich sicher manche. Mich eingeschlossen …
    Hab einen schönen Abend und ein relaxtes langes Wochenende!
    Alles Liebe
    Karl-Heinz

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    1. Lieber Karl-Heinz, da hast Du wirklich recht. Wir hatten materiell viel weniger, aber eine erfüllte und glückliche Kindheit. Nicht aufzuwiegen mit Werten vieler Kinder und Jugendlicher heute, die es natürlich auch nicht anders kennen. Ich wünsche Dir auch ein schönes Pfingstwochenende und hoffentlich Zeit mit Deinem Enkel, alles Liebe Reingard

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  2. Wie wunderbar! 😊
    Ich hatte mir in meiner Pfadfinderzeit selbst so ein Allzeit-Bereit-Päckchen zusammengestellt. Erst in einer Brotdose, später in einem umfunktionierten Reise-Rasieretui eines verstorbenen Großvaters. Und ich habe auch heute noch so was im Rucksack!
    Wer weiß, wo das Abenteuer lauert! 😃

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    1. Das freut mich sehr, dass ich mit dieser Geschichte Menschen erreiche, die einfach ‘verstehen’. Wie schön zu wissen, dass es das Abenteuer tatsächlich noch in den Herzen gibt. Danke für den lieben Kommentar und abenteuerliche Momente in der Zukunft🤗

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