… eine eingesparte Sekunde.

Warum mein Mann nach einer Überseereise meinen Nagellack brauchte – oder was ich als ungeduldig bezeichne.

Es gibt Menschen, die machen mich auf Grund ihrer unausgesprochen ausgeprägten Geduld schon wieder nervös. In Wirklichkeit beneide ich sie aber. Ich gehöre nicht zu diesen selbstbeherrschten Menschen. Aber eines steht fest: ich bin trotzdem geduldiger als mein Mann Mark.

Vor vielen Jahren waren wir gemeinsam unterwegs von Graz in die USA, was eher selten vorkam. Entweder reiste ich in die eine oder Mark in die andere Richtung auf Grund von Arbeit, familiären Angelegenheiten oder sonstigen Umständen, aber hier kam es, dass wir zusammen unterwegs waren. 

Es war im Frühjahr 2012, aber noch bevor wir verheiratet waren. Mark’s Mutter ging es nicht besonders gut, und wir wollten zu ihr. Die Flugverbindung war nicht ideal. Wir hatten zwei Layovers – eines in Deutschland und eines in Chicago, port of entry. 

Nach den Flügen von Graz nach Frankfurt und dann nach Chicago hofften wir, dass die Pass- und Zollkontrolle dort rasch zu bewerkstelligen sein würde, da zwar schon Zeit für den weiteren Flug nach Denver war, aber auch nicht übermäßig großzügig. Am Flughafen Chicago die Maschine verlassend, war es doch etwas schleppend, aber endlich kamen wir zur Passkontrolle.

Von hier nahm das Unheil seinen Lauf …

Da ich bereits wiederholter Male in die Staaten gereist war unter dem VWP (Visa Waiver Program) wurde ich vom im Dienst befindlichen Immigration Officer gebeten aus der Reihe zu treten, da ich mich einer genaueren Überprüfung unterziehen sollte. Wie, was jetzt? Stellte ich eine Gefahr für die Vereinigten Staaten von Amerika dar? Mark und ich sahen uns verblüfft an. „There was a red flag next to my name“ 

So saß ich nun, getrennt von Mark, der mich nicht begleiten durfte, auf den Supervisor der Einreisebehörde wartend. Wissend, dass inzwischen unser Gepäck irgendwo in einem hiesigen Gepäckbandringelspiel seine Runden drehte. Bewusst, dass wir nun unseren Anschlussflug versäumen würden. Nicht ahnend, was hier auf mich eventuell zukommen würde. Ich gähnte. Ich war müde. Da wurde ich aufgerufen. Mit Handgepäck und meinem gesamten Einreisepapierzeugs trappelte ich los und mir wurde von einer eigentlich sympathischen Officer-Lady ein Stuhl angeboten.

Ich ließ mich nieder. Es ging los.

  • Was ich hier so oft mache? – Ich reise mit meinem Verlobten.
  • Ist er Amerikaner? – Ja.
  • Warum ich so oft käme? – Ahm, ich reise mit meinem Verlobten, der Amerikaner ist?
  • Was der Grund meines Aufenthaltes sein wird? – Wir kümmern uns um seine kranke Mutter.

So ging es weiter. Alles mögliche. Zwischendurch hoffte ich, dass Mark ein Bier trinken gegangen war …Nächste Frage:

  • Ob ich mir bewusst sei, dass ich die Sozialleistungen der USA nicht ausnutzen könne?Das traf meine österreichische Seele mitten ins Schwarze

Wie jetzt? Versteh‘ ich jetzt nicht! Haben Sie mal geschaut, woher ich komme?

Das war dann mal meine Frage an die nette sympathische ihre Fragen runter arbeitende Supervisor Officer*in.

Österreich. Ich komme aus Österreich. DAS ist ein Sozialstaat. Da blecht man Länge mal Breite und Höhe in den Topf ein, ob man was braucht oder nicht. Hier ist außerdem meine Reiseversicherung, die bestätigt, dass mir alle Arztkosten samt Rückflug und Pipapo zurückbezahlt werden, falls ich in den Staaten gesundheitliche Hilfe in Anspruch nehmen muss, die ich ohnehin vorher alle selbst berappen muss.

Ich gebe zu, dass ich hier und da etwas ungeduldig war.

Aber jetzt hatte ich sie gedanklich erreicht. Sie lächelte und meinte nur, dass mein Englisch echt gut sei, und sie mir nun einen schönen Aufenthalt wünsche. Fügte aber noch eine Info hintendran – ich sollte nicht öfter als dreimal pro Jahr einreisen. Was ich ohnehin nicht vorhatte…

Etwas geschlaucht verließ ich das Szenario nach eineinhalb Stunden, was uns 4 zusätzliche Stunden kostete, da hier erst der nächste Flug nach Denver ging. Wir rechneten uns aus, dass unsere gesamte Reise dann in etwa sieben Stunden länger dauerte, da die Transportfrequenz zum Zeitpunkt der Landung in Denver dementsprechend geringer ausfiel. 

Ich war aber zu müde, um darüber nachzudenken. Als wir endlich beim Abfluggate nach Denver waren, wollte Mark nochmals seine Mutter anrufen. Und jetzt komme ich endlich zum Titel dieser Story:

Als er von diesem Anruf retour kam hatte er einen dicken, blutigen und blutunterlaufenen Finger. Keine Ahnung wie meine Reaktion war, müde an den Schalter gelehnt, unfähig mich zu rühren, aber ich musste schließlich die offensichtliche Ein-Wort-Frage stellen:

„How?“

Mark wollte auf dem Weg zurück zu mir ein paar langsameren Passagieren ausweichen, dabei hatte er einen leeren Gepäckwagen weggeschoben, der aber noch immer schwer genug war in dieser Bewegung und der Fehlstellung der Räder Marks Finger zwischen den Metallgriff des Vehikels und einem Metallgeländer mit Wucht einzuquetschen. 

Unfassbar – auf einer Reise mit 38 Stunden Gesamtzeit von Aufstehen bis Ankommen, wollte er eine oder vielleicht zwei Sekunden einsparen. Das nenne ich Ungeduld.

Mark hat sich dann für vier Monate mit meinem Haut farbenen Nagellack seinen Finger verschönert. Das Nagelbett war sehr verletzt, der Nagel war aber nie abgefallen. Es dauerte ein halbes Jahr, bis alles wieder normal war.

Und die Moral von der Geschicht‘ – quetsch Dir Deine Finger nicht. Oder zitiert:

Ein Augenblick der Geduld kann vor großem Unheil bewahren.

Ein Augenblick der Ungeduld sehr viel zerstören.

(Chinesisches Sprichwort)


… there was a second saved.

Why my husband needed my nail polish after traveling overseas or what I call impatient.

There are people who make me nervous just because of their unspoken patience. However, I actually envy them. I am not one of those self-controlled people. But one thing is certain: I am still more patient than my husband Mark.

Many years ago, we were traveling together from Graz to the USA, which was rare. Either I was traveling one way or Mark the other for work, family matters, or other reasons, but this was where we got to travel together.

It was spring of 2012, but still before we were married. Mark’s mother was not doing very well, and we wanted to see her. The flight connection was not ideal. We had two layovers – one in Germany and one in Chicago, port of entry.

After the flights from Graz to Frankfurt and then to Chicago, we hoped that the passport and customs control there would be done quickly, since there was just the right time for the further flight to Denver, but also not excessively generous. Leaving the plane at Chicago Airport was a bit slow, but we finally got to passport control.

From here the misfortune took its course …

Having traveled to the States on multiple occasions and following the VWP (Visa Waiver Program), the on-duty Immigration Officer asked me to step out of the line because I should undergo a closer inspection. What now? Did I pose a threat to the United States of America? Mark and I looked at each other in amazement. „There was a red flag next to my name.“

Well, there I sat then, separated from Mark, who was not allowed to accompany me, waiting for the immigration supervisor. Knowing that in the meantime our luggage was doing its rounds somewhere in a local baggage claim like a circle training. Aware that we would now miss our connecting flight. Not able to guess what might happen to me here. I yawned. I was tired. Then my name was called. With hand luggage and all my immigration papers, I started trotting there and was offered a chair by an actually friendly lady officer.

I sat down. It started.

  • What do I do here so often? – I’m traveling with my fiancé.
  • Is he American – Yes.
  • Why do I come so often? – Uhm, I’m traveling with my fiancé, who is American?
  • What will be the reason for my stay? – We’ll take care of his sick mother.

It went on. Everything imaginable. In between, I was hoping that Mark had gone for a beer somewhere … Next question:

  • If I am aware that I cannot take advantage of US benefits? – Now that hit my Austrian soul into the bulls’ eye.

„What right now? I don’t understand! Have you even looked where I’m from?“

That was my question to the nice, personable supervisor officer who worked down the list of her questions.

„Austria. I’m from Austria. Now THAT is a welfare state. You fork over length times width and height into the pot, whether you need something or not. Here is also my travel insurance, which confirms that I will be reimbursed all medical expenses, including the return flight and all the bells and whistles, if I have to seek health care in the United States, which I have to pay for myself beforehand anyway.

I admit that I felt a bit impatient there and then.

But I must have reached her because she smiled, said that my English was really good and that she now wished me a nice stay. But also added a piece of information afterwards – I shouldn’t enter the country more than three times a year. What I wasn’t going to do anyway …

I left the scenario a bit tired after an hour and a half, which cost us four additional hours, as the there was no earlier flight to Denver. We calculated that our entire journey would then take about seven hours longer, as the transport frequency at the time of landing in Denver was correspondingly lower.

But I was too tired to think about it. When we finally got to the departure gate in Denver, Mark wanted to call his mother again. Now I finally come to the title of this story:

When he came back from this call, he had a thick, bloody and bloodshot finger. I have no idea what my reaction was, leaning tiredly against the counter, unable to move, but I ended up having to ask the obvious one-word question:

„How?“

Mark had wanted to avoid a couple of slower passengers on the way back to me, but he had pushed away an empty baggage cart, which was still heavy enough in its movement and misalignment of the wheels to crush Mark’s fingers between the metal handle of the vehicle and a metal railing.

Incredible – on a journey with a total time of 38 hours from getting up to arriving, he wanted to save a second or maybe two. I call that impatience.

Mark then hid his black fingernail for four months with my skin-colored nail polish. The nail bed was badly injured, but the nail never fell off. It took six months before everything was back to normal.

The moral to this ‘flinger” – don’t pinch your finger. Or quoted:

A moment of patience can save you from great calamity.

A moment of impatience might destroy a lot.

(Chinese proverb)

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