… eine Libelle namens Frido

Oder : Bereit zum Abflug

Der Tag war nach ein paar Jahren endlich gekommen, sich von seiner schützenden Larvenhaut zu befreien. Dieses hautenge Chitin-Mäntelchen war ja auch wirklich einengend. Wie sollte sich Frido da entfalten können? Zum aus der Haut fahren.

Aber jetzt war es soweit. Endlich raus und das satte Grün der Natur aufnehmen. Eine Ahnung davon war ja bereits durch den Stützpanzer zu sehen gewesen. Und all diese Geräusche. Hohe und tiefe Töne, manche machten Frido gar wieder ängstlich, und er wollte zurückklettern in die nun leere Hülle, die er hinter sich gelassen hatte. 

Es half nichts. Seine Lebenszeit als Großlibelle war gekommen. Hinaus in die Welt. 

Mann, das Entfalten war mühsam. Keine Wunder – nach so langer Zeit im Schlamm in seiner eigenen Rüstung. Ist ja richtig anstrengend. Irgendwas blendete Frido. Etwas Helles. Von oben. Da blinzelte etwas zwischen den Ästen des Baumungetüms hervor. Irgendwie war das aber auch angenehm. 

Es wurde ein wenig leichter, die Beine zu bewegen. Wow – bin ich steif. Na, das kann ja heiter werden. Das soll das Leben sein? Vielleicht hätte ich doch im Morast bleiben sollen. Da war es wenigstens kuschelig. OK, ein paar weitere Schritte. Meine Güte, der Boden ist vielleicht uneben. Alles verbiegt sich da. Aber die Farbe ist hübsch.

Plötzlich eine starke Vibration. Ein unermesslich lautes Gedröhn. Meine Güte, was ist das denn jetzt? Ein riesengroßes, schwarz-rotes Monster kam immer näher auf Frido zu. Aber seine Flügel funktionierten noch nicht. Schnell weglaufen ging auch nicht. Verdammt!

Soll es das schon gewesen sein?

Nach dem jahrelangen Ausbacken im Schlamm? Das gibt’s ja jetzt doch nicht – das Ding kam immer näher. Die Vibration eindeutig zu spüren. 

Da – rund 10 Zentimeter bevor es sich über Frido verdunkeln sollte, blieb das drachenähnliche Irgendwas direkt hinter ihm stehen. Es bewegte sich aber trotzdem etwas. Etwas Zweibeiniges. Sonderbares Wesen. Es konnte seine Beine super bewegen und sogar abbiegen. Was ist denn das jetzt? Ich muss meine Beine schneller bewegen und was ist denn jetzt mit diesen Flügeln? Sind die für irgendetwas gut oder nur luxuriöse Zierde? 

Das Wesen pflanzte sich direkt bei Frido in den Weg, also eigentlich Wiese. Der Lärm ging weiter, aber Fridos Angst schwand. Das Wesen starrte ihn nur an und klickte mit irgendwas. Einem flachen Kästchen. Klick-klick-klick und tat dann etwas, ohne Geräusch. 

Da! Endlich! Fridos Flügel waren endlich bewegbar. Irgendwie noch wie schwer. Aber beweglich. Etwas mehr Mühe jetzt! Damit ich abheben kann, dachte Frido. Ein zweites Wesen mit solchen zwei Beinen kam dazu. Irgendwas war gemurmelt worden, übertönt vom Geräusch des ursprünglichen Monsters. 

Jetzt! Na bitte! Die Flügel fingen an, vibrieren zu können und es hatte nichts mit der Vibration des Ungetüms im schwarz-roten Kleid zu tun. Das stand zwar laut, aber unbeweglich am selben Platz. Reiß Dich zusammen Frido, bald kannst Du einfach wegfliegen. Ein paar Lockerungsübungen noch und …

Frido hob ab. Ging rund 30 Zentimeter hoch. Dann nach vor. Etwas zurück. Weitere 40 Zentimeter hoch. Die zweibeinigen Wesen beäugten ihn wie ein außerirdisches Wesen.

Die Großlibelle Frido konnte nicht ahnen, was für ein Naturschauspiel es für die Erdenbürger gewesen war, ihm bei seiner Entfaltung zuzusehen. Der Zufall, diese paar Minuten miterleben zu dürfen und das Glück, Frido im Gras gesehen zu haben, bevor er vom Rasenmäher erwischt worden war, entsprach einem kleinen Wunder. 

Frido sauste dahin, sein Leben zu leben und die Zweibeiner gingen zurück zu ihren Taten. Um ein paar Fotos und Videos reicher und einer Erinnerung für sehr, sehr lange Zeit.

P.S. Wie lustig das Video ist auf Grund des Geräusches des Rasenmähers im Hintergrund zu Fridos‘ Flügelmotorstart macht es sogar unvergesslich. (zum Instagram post)


… there was a dragonfly named Frido

Or : ready to take off

After a few years, the day had finally come to get rid of its protective larval skin. This skin-tight chitin coat was really restrictive. How should Frido be able to develop? It was enough to blow his top.

But now the time had come. Finally getting out and take in the lush green of nature. An inkling of this could already be seen through the armored skin. And all these noises. High and low notes, some even made Frido fearful, and he wanted to climb back into the now empty shell that he had left behind.

It did matter now. His life as a dragonfly had come. Out into the world.

Man, it was a chore to unfold. No wonder – after so long in the mud in his own armor. It’s really exhausting. Something blinded Frido. Something bright. From above. Something peeked out from between the branches of the monster tree. But somehow that was also pleasant.

It got a little easier to move the legs. Wow – am I stiff. Well, that’ll be fun. Is that supposed to be ‚life‘? Maybe I should have stayed in the quagmire after all. At least it was cozy there. OK, a few more steps. Gosh, the ground was uneven. Everything bends here. But the color is pretty.

Suddenly a strong vibration. An immeasurably loud roar. Goodness, what’s that now? A huge, black and red monster came closer and closer towards Frido. But his wings weren’t working yet. Running away quickly wasn’t possible either. Damn it!

Is that supposed to be it already?

After years of baking in the mud? Can’t be right – the thing was getting closer and closer. Clearly the vibration got stronger.

Now – about 10 centimeters before it should darken over Frido, the dragon-like something stopped right behind him. But something moved anyway. Something two-legged. Strange being. It could move its legs very well and even bend them. What is that now? I have to move my legs faster and what about those wings now? Are they good for anything or just a luxurious ornament?

The being planted itself in Frido’s path, actually the grass. The noise continued, but Frido’s fear vanished. The being just stared at him and clicked something. A flat box. Click-click-click and then did something without making a sound.

There! At last! Frido’s wings were finally movable. Somewhat difficult. But agile. A little more effort now! So, that I can take off, thought Frido. A second being with such two legs came along. Something had been murmured, drowned out by the sound of the original monster.

Now! There you are! The wings began to vibrate, and it had nothing to do with the vibration of the monster in the black and red dress, which was loud, but still in the same place. Pull yourself together Frido, soon you can just fly away. A few more relaxation exercises and …

Frido took off. Went about a foot high. Then forward. A little back. Another foot high. The two-legged beings eyed him like an alien.

The dragonfly Frido could not have guessed what a natural spectacle it had been for the people on earth to watch him unfold. The coincidence of being able to witness these few minutes and the luck of having seen Frido in the grass before he was caught by the lawn mower was a small miracle.

Frido rushed to live his life and the humans went back to their deeds. Being a few photos and videos of him richer and a memory for a very, very long time.

P.S. How funny the video is because of the noise of the lawn mower in the background to Frido’s wing motor start, makes it actually unforgettable. (watch on IG-post)

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