… eine nicht angenommene Challenge.

Warum es wichtig ist, auch einmal Nein zu sagen.

Im Sommer 2007 entwickelte sich mein damaliger Job als sehr herausfordernd, ja überbelastend. Es war nicht so sehr die Menge der Aufgaben, sondern die Umstände, diese zu erledigen oder gar zu lösen. Diesen Teil der Geschichte kurz machend: ich war mental am Ende mit daraus körperlichen entstehenden Problemen.

Tatsächlich ausgebrannt. Burnt out.

Mit meinem Chef vereinbarte ich eine zweimonatige Auszeit – unbezahlter Urlaub. Ich musste einfach raus aus der Situation, in der ich mich befand, um nicht unterzugehen.

Das ist aber noch nicht das Nein, von dem ich erzählen will.

Als die Auszeit fast vorüber war, hatte sich für meinen Chef eine neue Situation ergeben, und er war von Graz nach Wien übersiedelt. Also keine Rückkehr für mich in das alte Arbeitsumfeld. Da sich mein Mann damals gerade in den USA aufhielt, flog ich nach und hängte noch eine Verlängerung meiner beruflichen Abstinenz dran. 

Im November kehrte ich zurück und machte mich auf Arbeitssuche. Wie der Zufall manchmal so spielt, suchte die ehemalige Österreich-Vertreterin für eine exklusive Reisegepäckmarke, mit der ich mich immer hervorragend, ja freundschaftlich verstanden hatte, eine erfahrene Persönlichkeit sowohl für das Büro und die Branche an und für sich, da sie sich mit ihrem Mann selbstständig gemacht hatte.

Es war, als ob ein Traum wahr werden würde. Bis die Realität ihre wunderschön gepflegten, gutaussehenden, geheim gehaltenen Krallen zeigte.

Nach kurzer Abstimmung traf ich mich mit meiner geschätzten Bekannten, die sich inzwischen richtig weiblich und nicht nur mehr als Business-Woman präsentierte. Wir verstanden uns wie eh und je – alles perfekt. Ihr Mann war mir nicht so sympathisch, aber das war mir nicht so wichtig. Ich würde mehr mit ihr zu tun haben, mit Produktentwicklung, Einkauf und Qualitätsmanagement sowie der Reorganisation des gesamten Büroablaufes.

Eintritt war mit dem 1. Februar geplant, da ich mit meinem zukünftigen Mann Anfang 2008 eine Schiffsreise bereits fix gebucht hatte. 

Bereits diese Tatsache wurde mir von der Sekretärin (heute sagt man wohl Assistentin) von Anfang an vorgehalten. Sätze wie „Die neue fängt mit einem Urlaub an.“, waren von Anfang an den Mitarbeitern kolportiert worden. Dass ich bereits meine erste Dienstreise nach Hongkong und Shenzhen zwei Monate später absolvierte, stieß auf Neid und Missgunst. Obendrauf, meinte sich ein Mitinhaber der Firma aus Deutschland sich mir gegenüber außerdem als ‚sehr sympathisch‘ zu präsentieren ( ‚Zwinker‘). Mit all dem hätte ich umgehen können. Nichts, was mir nicht in meiner beruflichen Laufbahn schon untergekommen wäre.

Was ich allerdings nicht akzeptieren konnte, war, dass es meines Dafürhaltens zu viel zu vielen Mahnungen kam, die genau auf meinem Schreibtisch landeten. Die Beträge spannten sich zwischen EUR 50, — und 70.000, –(!). Von verschiedensten Firmen aus Österreich, Indien, Türkei, Deutschland und China. Unbeantwortete Anfragen von Kunden, die wiederholt anriefen und mich (als Erstkontakt) mit zum Teil niederschmetternden Lauthals-Telefonaten fertigmachen versuchten – eigentlich, etwas erreichen wollten.

Darüber hinaus versuchten meine ehemals so verstandene Geschäftspartnerin und ihr Ehemann eine alte „Wiener Marke“, deren Rechte sie gekauft hatten, wieder aufleben zu lassen zu Verkaufspreisen jenseits etablierter internationaler Marken der Handtaschen, Feinlederware und Accessoires wie Füllfedern, Uhren, Sonnenbrillen und Reisegepäck. 

Eine Traumwelt, die versucht wurde in einer Rekordzeit umzusetzen in einer südsteirischen Kleinstadt. Eine Illusion ohne Logistik, Strategie und finanziellen Background, dafür Starallüren.

Ich muss kein Star sein. Und auch kein Sternchen. Ich arbeite gerne, auch viel und kämpfe für Dinge mit Aussicht auf Erfolg. Alle Indizien und Fakten deuteten auf einen Fall der „Wiener Marke“ als auch auf den Import-Export Geschäftszweig hin, während sich die Mahnungen stapelten.

Keine Leadership, kein Kundenservice auf Chefetage dafür nachmittags Golf. Kein Neid, sorry.

Nach vier Monaten hatte ich genug gesehen. Ich kündigte Ende Mai, um Ende Juni von diesem Schlamassel befreit zu sein. Die Erinnerung daran, dass mein Vater mir gesagt hatte, es doch als Herausforderung zu sehen, habe ich ganz vorne auf meiner persönlichen Festplatte und rufe es mir immer wieder auf. Ich weiß noch genau, als ich mit Überzeugung sagte:

Hier liegt die Challenge darin, früh genug NEIN zu sagen.“

Meine Vorrausage war zwei Jahre für den Konkurs beider Geschäftszweige. Es war sogar eher mit je rund je einer Million Euro Verschuldung und damit sogar in den Medien. Ich bin einer Farce entkommen und weiß heute noch um das Gefühl, im richtigen Moment, Nein gesagt zu haben.

Man muss nicht jede Herausforderung annehmen, um Rückgrat zu zeigen.

Aber es ist wichtig, auch NEIN sagen zu LERNEN.

[*inspiriert von Sabine Krömer IG-post]


… there was a challenge that was not accepted.

Why it is important to say no once in a while.

In the summer of 2007, my job at the time turned out to be very challenging, even overburdening. It wasn’t so much the number of tasks, but the circumstances of completing or even solving them. To make this part of the story short: I was mentally exhausted with resulting physical problems.

In fact, burnt out.

I arranged a two-month break with my boss – unpaid leave. I just had to get out of the situation I was in, in order not to go under.

But that is not yet the ‘NO’, I want to tell you about.

When the time-out was almost over, a new situation had arisen for my boss, and he had moved from Graz to Vienna. No return to the old work environment for me. Since my now husband was in the USA at the time, I flew overseas and added an extension of my professional abstinence.

I returned in November and started looking for a job. As luck would have it, the former Austria representative of an exclusive luggage brand, with who I had always got on extremely well, even on a friendly basis, was looking for an experienced personality for both the office and the industry itself, as she became self-employed together with her husband and had started their own business.

It was like a dream was come true. Until reality showed its beautifully manicured, good-looking secret kept claws.

After a short consultation, I met my esteemed acquaintance, who was now really feminine and not just a businesswoman. We got along as ever – everything was perfect. I didn’t like her husband that much, but that wasn’t so important to me. I would have more to do with her, with product development, purchasing and quality management as well as the reorganization of the entire office process.

Entry was planned for February 1st, as I and my future husband had already booked a ship trip at the beginning of 2008.

This fact was held up against me by the secretary (nowadays they are said to be an assistant) from the start. Sentences like „The new one starts with a vacation“ were rumored to the employees before I even started. The fact that I made my first business trip to Hong Kong and Shenzhen two months later met with envy and resentment. To top it, the co-owner of the company from Germany presented himself ‚very personable‘ towards me (‘wink-wink’). I could have dealt with all of that. Nothing I haven’t seen before in my professional career.

What I couldn’t accept, however, was, that in my opinion, there were too many reminder-letters that landed right on my desk. The amounts ranged between EUR 50,– and 70.000,– (!). From various companies from Austria, India, Turkey, Germany and China. Unanswered inquiries from customers who called repeatedly and tried to finish me off (as the first contact) with sometimes devastating loud-necked phone calls – actually, to finally get somewhere with their issues.

In addition, my former business partner and her husband tried to revive an old „Viennese brand“, the rights of which they had bought, at retail prices beyond established international brands of handbags, fine leather goods and accessories such as fountain pens, watches, sunglasses, and luggage.

A dream world that was tried to be implemented in record time in a small town in southern Styria. An illusion without logistics, strategy, and financial background, but starry airs.

I don’t have to be a star. No glitterati. I like to work, also hard, and I fight for things that have a chance of success. All the indicators and facts pointed to a fall of the “Viennese brand” as well as the import-export branch of the business, while the reminders kept piling up.

No leadership, no customer service on the executive floor, but golf in the afternoons. No envy, sorry.

After four months I had seen enough. I resigned at the end of May to be free of this mess by the end of June. The memory of my father telling me to see it as a challenge is right at the front of my personal ‘hard drive’ and I keep calling it up. I remember exactly when I said with conviction:

„The challenge here is to say NO early enough.“

My prediction was that in two years both branches of the business would be bancrupt. It happened even earlier and both branches of the company were out around one million euros each and thus even in the media. I escaped a farce and still remember the feeling of saying no at the right moment. 

You don’t have to take on every challenge to stand up for yourself.

But it is important to LEARN to say NO.

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