… eine etwas andere Cloud, und die war aus Staub gebaut.

Warum ich einmal mit einem Hammer auf eine Wand einschlug, so fest ich nur konnte.

Juni 1984, ich war noch nicht ganz 12 Jahre alt, folgte mein Vater dem Wunsch seiner einzigen Tante – meiner geliebten Großtante Ingeborg, die Ärztin in Liezen gewesen war – und baute nach ihrem viel zu frühen Tod unser Haus um.

Sie hatte ihm eine kleine Erbschaft hinterlassen, die ausreichen sollte, Verbesserungen wie Isolation, neue Fenster und ein paar andere Änderungen durchführen zu können. Mein Vater war ein ‚kleiner Angestellter‘ bei der Landwirtschaftskammer und hätte sich ein solches Unterfangen nie leisten können. 

Schließlich entschloss er sich zu diesem Schritt, weil er derselben Meinung war, dass dies das beste Investment in die Zukunft darstellte. Es wurden Pläne gezeichnet, um Genehmigungen angesucht, Räume, Grundstück, Böden und Mauern ausgemessen. Materialien ausgesucht, Nachbarn kontaktiert und schließlich der Spatenstich gesetzt.

Vor diesem Spatenstich durfte ich aber noch Hand anlegen.

Mein Vater hatte seinem Großvater geholfen, dieses Haus zu bauen, und als er und meine Mutter 1967 geheiratet hatten, durften sie in den oberen Stock einziehen, während meine Urgroßeltern den unteren Bereich bewohnten. Wie mein Vater so war, wollte er immer alles handfest, sicher und für die Ewigkeit ausführen. So ist da in eine Mauer im oberen Stockwerk etwas mehr Betonmischung als notwendig geflossen.

Meine Urgroßeltern waren zur Zeit dieses Umbaus längst verstorben, und meine Eltern, mein Bruder und ich bewohnten inzwischen die gesamte Wohnfläche des Hauses. Nun, besagte Mauer sollte nach den neuen Plänen herausgenommen werden, da die bis dahin oben befindliche Küche nach unten verlegt wurde, um die beiden oberen Räume, die diese Mauer trennte, in ein großes Wohnzimmer zu verwandeln.

𝙈𝙚𝙞𝙣 𝙋𝙖𝙥𝙖 𝙢𝙚𝙞𝙣𝙩𝙚 𝙫𝙤𝙡𝙡𝙚𝙧 𝙀𝙣𝙚𝙧𝙜𝙞𝙚: „𝘿𝙞𝙚 𝙈𝙖𝙪𝙚𝙧 𝙣𝙚𝙝𝙢𝙚𝙣 𝙬𝙞𝙧 𝙨𝙚𝙡𝙗𝙨𝙩 𝙝𝙚𝙧𝙖𝙪𝙨!“

Ziegel für Ziegel, das ginge ganz leicht. Hat er gesagt. Gemeint hat er es auch. Wie falsch er doch damit gelegen hatte.

Mit voller Euphorie starteten wir los. Ich möchte noch betonen, dass wir alle zur Zeit des gesamten Umbaus in diesem Haus wohnten. Es gab keine Ausweichwohnung irgendwo. 

Es ging also los. Die Küchenmöbel waren bereits alle abmontiert und behelfsmäßig in die Küche der Zukunft nach unten befördert worden. Der erste Ziegel wurde gesucht. Dafür musste zunächst eine Putzmörtelschicht entfernt werden, die sich hinter den Tapeten verbarg. Eine Schicht des staubigen Grauens. Es war immense Arbeit, diese Schicht abzuschlagen und von der Ziegelwand zu bekommen. Aber es machte mir Spaß, mit dem Hammer einfach mal so richtig drauflos schlagen zu dürfen. Temperament war mir in die Wiege gelegt worden. 

Ich hämmerte also befreit darauf los. Mein Bruder tat dasselbe, so meine Mutter und mein Vater. Zwei auf der früheren Wohnzimmerseite, zwei auf der ehemaligen Küchenseite. Eine Staubwolke löste die nachfolgende ab oder tanzte im Hammerschlagrhythmus mit der nächsten um die Wette. Endlich, nach Stunden (!) hatten wir die Ziegelwand freigelegt. Jetzt, meinte mein Papa, sei es nur mehr eine Bagatelle, die Wand abzubauen. 

Ziegel für Ziegel. Wenn der erste Ziegel raus ist, sei alles ein Kinderspiel. Also auch für mich.

Gesagt. Versucht. Mein Papa hatte irgendwie verdrängt, wieviel Zement er da zwischen die Ziegel gemauert hatte. Der Abbau war eine Katastrophe. Diese Mauer hätte einen Meteoriteneinschlag überstanden, selbst wenn alles andere herum in Trümmer gegangen wäre. Es wurde dunkel, meine langen Haare glichen der einer alten Frau – grau meliert. So würde ich also in 50-60 Jahren mal aussehen. Großartig. Wusste ich das wenigstens früh genug.

Den Rest der Mauer hat dann eine Schlaghammermaschine („die Hilde“) erledigt, und es stellte sich heraus, das dies von Beginn an die beste Lösung gewesen wäre. Naja, nachher ist man immer gescheiter.

Schlauer wurden wir auch durch das gesamte Abenteuer. Habe ich bereits erwähnt, dass wir durch all die Arbeitsschritte in diesem Haus gewohnt haben? Ich erinnere mich, als ob es gestern gewesen wäre. Fenster raus, Fliesenböden und Badezimmer neu, Wandabrisse innen und außen, Türen raus, Stemmarbeiten für neue Kabelverlegung, neue Rohre verlegt, Innenputz, Außenputz samt Isolierung, neue Möbelausstattung. Plattenverlegung rund ums Haus nach Drainage-Verlegung des gesamten Grundstücks. 

Der Feinstaub des Unterfanges hatten wir noch sechs Monate nach einem viel zu spät erfolgten Abschluss des Projektes in Ritzen, Kanten, Spalten sowie Nasenhöhlen, knirschend zwischen den Zähnen, auf dem Trommelfell, und der Sandmann für das berühmte Sandkörnchen am Morgen war leer ausgegangen für ein Jahr. Wir waren versorgt.

Wer immer ein Haus komplett umbaut, dem empfehle ich, es nur dann zu machen, wenn es eine andere Unterkunft gibt, in die man sich zurückziehen kann. Denn für Kinder mag es ein Abenteuer sein, aber als Erwachsener neben einer Vollzeitbeschäftigung ist es eine niemals zu enden scheinende Kraftprobe.

Inspired by @philippknefz und Virginia Cox, denen ich nur Glück und Freude wünsche in ihrem neuen #knusperhäuschen Zuhause.


…there was a slightly different cloud than we refer to today.

Why I once hit a wall with a hammer as hard as I could.

June 1984, I was not quite 12-years old, my father followed the request of his only aunt – my beloved great-aunt Ingeborg, who had been a doctor in Liezen – to rebuild our house after her much too early death.

She had left him a small inheritance that should be enough to make improvements like insulation, new windows, and a few other changes. My father was a ‚little clerk‘ at the Chamber of Agriculture and could never have afforded such an undertaking.

Ultimately, he decided to take this step because he agreed that it was the best investment in the future. Plans were drawn, permits sought, rooms, property, floors, and walls measured. Materials selected, neighbors contacted and finally the groundbreaking ceremony.

But before that, I was allowed to lend a hand.

My father had helped his grandfather build this house, and when he and my mother got married in 1967, they were allowed to move into the upper floor while my great-grandparents lived in the lower area. As my father always was, he wanted to do everything solidly, safely and for eternity. A little more concrete mix than necessary flowed into a wall on the upper floor.

My great-grandparents had long since passed away at the time of this reconstruction and my parents, my brother and I now lived in the entire house. Well, the wall earlier mentioned should be removed according to the new plans, because the kitchen, which was upstairs until then, was moved down to convert the two upper rooms, which were separated by it, into a large living room.

So, my father said full of energy: „We’ll take this wall down ourselves!“

Brick by brick, that would be very easy, he said. He also meant it. How wrong he’d been.

We started full of euphoria. I would like to emphasize that we all lived in this house at the time of the entire makeover. There was no other accommodation anywhere.

The kitchen furniture had already been dismantled and temporarily moved down to the kitchen of the future. The first brick had to be found. To do so, a layer of plaster mortar that was hidden behind the wallpaper had to be removed. A layer of dusty horror. It was an immense job to remove this plaster and get it off the brick wall. But I enjoyed being able to hit it with the hammer. I was born with a proper temperament.

I pounded on it freely. My brother did the same, so did my mother and father. Two on the side of the former living room, two on the side of the earlier kitchen. A cloud of dust replaced the next one or danced in a hammer-beat rhythm with the following one. Finally, after hours (!) we had exposed the brick wall. Now, my dad said, it would be a trifle to dismantle the wall.

Brick by brick. When the first brick is out, everything is child’s play. Therefore, also for me.

Said and tried. Somehow my dad had forgotten the amount of cement he had put between the bricks. The dismantling was a disaster. That wall would have survived a meteor strike even if everything else around it had gone to pieces. It was getting dark outside; my long hair was like that of an old woman – mottled gray. So that’s how I would look like in 50-60 years. Great. At least I knew that soon enough.

The rest of the wall was then taken down by a hammer machine (the workers call it “Hilde”), and it turned out that this would have been the best solution from the start. Well, afterwards you’re always smarter. 

Throughout the entire adventure we learned even more. Did I mention that through all the work we lived in this house? I remember it just like yesterday. Windows out, new tiled floors and bathroom, demolished walls inside and out, doors out, chiseling work for laying new cables, laying new pipes, interior plastering, exterior plastering including insulation, new furniture. Laying of slabs around the house after laying the drainage of the entire property.

We still had the fine dust of the undertaking even six months after the project was completed – much later as predicted – in cracks, edges, crevices as well as nasal cavities, gritting between the teeth, on the eardrum, and the sandman for the famous grain of sand in the morning had gone empty-handed for one year. We were taken care of.

I recommend that anyone who ever completely remodels a house should only do it if there is another accommodation to which they can depart to. Despite it being an adventure for kids, as an adult, alongside a full-time job, it’s a never-ending test of strength.

Inspired by @philippknefz und Virginia Cox, denen ich nur Glück und Freude wünsche in ihrem neuen #knusperhäuschen Zuhause.

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