… ein Nikolo im Osternest.

Warum ich als Kind einmal durch die Krampus-Hölle ging.

Wenn man so wie ich einen älteren Bruder hat, muss man sich immer wieder mal beweisen. Einer dieser geschwisterlichen „Machtkämpfe“ bestand darin, bei gemeinsamen Anlässen für Geschenke wie Ostern, Nikolo oder Weihnachten, die immer wieder auch Naschereien als kleine Aufmerksamkeiten aufwiesen, zu wetten, wer sein Osternest länger hatte, seinen Schokonikolo später genüsslich vernichtete oder das Soletti-Sackerl länger zur Verfügung hatte.

Es war also wieder einmal so weit. Der 6. Dezember nahte.

Die Mandarinen, Erd- und Walnüsse wurden von Mama ins rote Krampussackerl gesteckt, Lebkuchenkrampus und der Schokonikolo kamen dazu, ein paar „Mag man eben“-Schnitten waren Teil der Tradition – wunderschön. Oft war dann noch ein Buch oder sonst ein nicht essbares Geschenk dabei. Ich liebte diese Packerl.

Eines war aber neben all der Nascherei und der Spannung, ob der Krampus kommt oder nicht, besonders wichtig:

Wer konnte länger seinen Schoko-Nikolo aufbewahren?

Da kam mir eines Nikolaus-Tages eine Idee …

In meinem Zimmer stand eine Anrichte. Zwei der drei Abteile gehörten mir für Spiele, Puppen, Bücher, was auch immer. Das dritte Abteil benutze mein Papa für seine Fotoausrüstung. Diese Tür hatte im Vergleich zu meinen zwei Fächern einen Schlüssel. 

Obwohl sich das später einmal entscheidend ändern sollte, benutze mein Papa seine Fotoausrüstung zum damaligen Zeitpunkt sehr selten. Also dachte ich mir nicht viel dabei, meine Süßigkeiten des Nikolo-Packerls in seinem Teil des Möbelstückes einzusperren, um mich selbst abzuhalten, der Naschsucht nachzugeben. Um es für mich selbst schwieriger zu machen – oder zumindest zweimal darüber nachzudenken, was helfen sollte, die Wette zu gewinnen – sperrte ich die kleine Tür ab, düste von meinem Zimmer in den ersten Stock (… ja, ich rannte …) und versteckte den Schlüssel zur süßen Versuchung in einem Glas ganz hinten in der Küchenanrichte, wofür ich sogar einen Sessel brauchte, um dies zu tun.

Oh ja – diese Wette würde ich sicher gewinnen.

Hahaha-Haha-Haaa! Ätschibätschi.

Und es stimmte. Nur, dass ich dafür Monate danach Kinderblut schwitzte.

Mein Vater ging mit seinen Kollegen auf einen Betriebsausflug. Der fand direkt vor Ostern des folgenden Jahres statt. Auf diesen Ausflug wollte er seine Kamera mitnehmen und fragte uns alle, wo der Schlüssel zu seinem Fach sei. 

Niemand wusste es. Auch ich nicht. Mir wurde heiß und kalt zugleich. Schließlich war alles in meinem Zimmer. Ich konnte mich in meinem simplen Kinderhirn nicht mal daran erinnern, dass ich vor Monaten den Schlüssel wegen meiner Wette versteckt hatte. Dass ich ihn versteckt hatte, kam mir während der Suche in den Sinn. Und nach Stunden des Suchens fiel es mir plötzlich ein, und ich kraxelte auf die Küchenanrichte und fand den Schlüssel.

Der Krampus hatte mich doch tatsächlich durch die Hölle geschickt.

Mein Papa holte seine Ausrüstung hervor und während er dies tat, überreichte er mir mit schüttelndem Kopf den Schokoladenikolo. 

Ich dachte nur: Ist ja doch der Nikolo stärker als der Krampus, weil er so lange überlebt und mich die Wette hatte gewinnen lassen.

So simpel kann das Leben sein, wenn es nur um Schokolade geht.


… there was a chocolate Santa in my Easter basket.

Why I once went through children’s Hell at Easter time.

If you have an older brother like me, you have to prove yourself over and over again. One of these siblings “power struggles” consisted in betting on common occasions for gifts such as Easter, Santa, or Christmas, which also consisted of sweets as small gifts, as to who had the Easter basket longer, who would later destroy their chocolate Santa joyfully or kept the pretzels around longer.

It was that time of the year again. December 6th was approaching.

The mandarins, peanuts and walnuts were put in the bag of the ‘red Devils’ (the bad cop in contrary for the good cop Santa) by Mama, gingerbread Devil and the chocolate Santa were added, a couple cookies were part of the tradition – wonderful. Often there was also a book, a comic, or some other non-edible gift with them. I loved this little package.

But one thing was particularly important in addition to all the sweets and the tension, whether the Devil would come or not:

Who could keep their chocolate icons longer?

Then one St. Nicholas day I had an idea …

There was a sideboard in my room. Two of the three compartments were mine for games, dolls, books, whatever. The third compartment was used by my dad for his photo equipment. This door had a key – in comparison to the two compartments.

Although that would significantly change years later, my dad used his photo equipment very rarely. I didn’t think much about locking up my Santa’s sweets in his part of furniture to keep myself from indulging my cravings. To make it harder for myself – or at least think twice about what getting it, which should help wining the bet – I locked the little door, dashed from my room to the first floor (yes, I ran), and hid the key from the sweet temptation in a glass at the very back of the kitchen counter which even required a chair to do so.

Oh yes – I would definitely win this bet.

Hahaha-Haha-Haaa! Nah-nah-na-na-nah-nahhh!

And it was true. Except that months later, I sweated children’s blood for it.

My father went on a company outing with his colleagues. It took place right before Easter of the following year. He wanted to take his camera on this trip with him and asked us all where the key to his locker was.

Nobody knew. Me neither. I got hot and cold at the same time. After all, everything was in my room. In my simple child’s brain, I couldn’t even remember that months ago I had hidden the key because of my bet. That I had buried it occurred to me during the search. And after hours of looking, I suddenly remembered and crawled up on the kitchen counter and found the key.

‘The Devil’ had actually sent me through hell.

My dad took out his equipment and while he was doing so, he handed me the chocolate Santa –  with a shaking head.

I just thought: Santa still is more powerful than the Devil because he survived so long, and he had let me win this bet.

Life can be so simple when it’s all about chocolate.

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