… ein lebensverändernder Vorfall.

Oder: wie ich ungewollt sportlich wurde.

Wie bereits in der Vergangenheit in verschiedenen Geschichten erwähnt, bin ich ja eher unsportlich, mache aber viel Sport. Das hat einen tiefgreifenden Grund: Ich muss.

Bis vor 10 Jahren hätte ich mir im Traum nicht gedacht, dass ich ein Fitnessstudio Freak werde, laufen gehe oder sonst irgendetwas auch nur annähernd Sportliches tue. Wandern, spazieren und schwimmen – ja, gerne, aber Sport? Ich sicher nicht.

Schon in der Schule habe ich die Sportstunden gehasst. Was mir als Kind immer Freude gemacht hat, war Radfahren. Aber mich jetzt auf’s Mountainbike zu werfen und Berge erklimmen – nein, danke. Viel zu anstrengend. In der Zeit konnte ich schließlich ein gutes Buch lesen.

Vor nicht ganz 20 Jahren kam dann der erste Moment, wo ich etwas in meinem Leben ändern musste. Ich konnte innerhalb kürzester Zeit nicht mehr gehen und auf mein linkes Bein auftreten. Den Schmerz kennen viele – der Ischias Nerv spielte Caramba mit mir. 

Röntgen. Zweifach gedrehte Skoliose. Nerv verletzt. Therapie. Stetes Übungsprogramm. Für 6 Monate nichts Schwereres als drei Kilogramm heben. Das gab mir einen enormen Dämpfer. Ich musste Zeit für etwas aufbringen, das ich nicht wollte. Aber ständiger Schmerz und eingeschränkte Mobilität lässt einen Vieles tun.

Mit der Zeit wurde es besser. Meine Gymnastikeinheiten nahmen wieder größere Zeitabstände voneinander. Ungefähr fünf Jahre nach dieser Erfahrung begann meine linke Schulter immer wieder einmal weh zu tun. Mein Nacken. Naja, ich wurde älter. Vielleicht lag ich schlecht, was weiß man schon? 

Schließlich hatte ich dann eines Tages im Frühling 2011 einen komplett sich taub anfühlenden Arm nach dem Aufstehen. Ich war definitiv schlecht gelegen. Was sollte es sonst sein? Das prickelnde Gefühl des wieder durchbluteten Armes werde ich nie vergessen. Fast schmerzhaft. OK, schmerzhaft.

Ein halbes Jahr später, September 2011 dann das tatsächliche Schockerlebnis.

Mitten in der Nacht wachte ich auf und konnte mich nicht umdrehen. Mein Oberkörper war komplett verkrampft, und ich konnte meinen linken Arm nicht bewegen. Nicht nur taub, sondern wie gelähmt. Es ging gar nichts. Weder Schulter noch Ellbogen noch Finger reagierten. Da brach schon etwas Panik in mir aus. Ich stand auf. Schlafen konnte ich ohnehin nicht mehr. Ich war alleine in der Wohnung und setzte mich an den Computer. Sollte ich recherchieren? Die Rettung rufen? Von beiden Familien meiner Eltern gab es Herzinfarkte in der Geschichte … aber daran glaubte ich dann doch wieder nicht.

Ich recherchierte. Was mich schließlich zu meinem heutigen Orthopäden des Vertrauens und Sportarzt Dr. Christof P. gebracht hat. Die Ordination war bereits um 7 Uhr offen. Ich rief an, schilderte meine Situation und wurde als Notfall drangenommen. 

Nach Blitzüberweisung zu Röntgen und MR, stellte sich ein Bandscheibenvorfall im Nacken heraus, der den Nerv im Nacken-, Schulter- und Armbereich so verletzte, dass es eine Entzündung ausgelöst hatte, die den Nerv nicht mehr reagieren ließ. 

Infiltration in den Nerv – Ich dachte, ich gehe die Wände hoch vor Schmerz. Um ehrlich zu sein, wurde mir schwarz vor Augen. Behandlung in 28 durchgehenden Therapieeinheiten, um eine Operation zu vermeiden. Danach sehen wir weiter …

Unter Schmerzen konnte ich meinen Arm wieder bewegen, aber ich musste mir über eines klar sein – von nun an würde ich immer und stetig, nachhaltig denkend Muskelaufbau trainieren müssen, aktiv bleiben und nicht zu viel und vor allem nicht durchgehend lange sitzen. Ein Grund, warum die Entscheidung zur Selbständigkeit fast fallen musste … Was außerdem ab diesem Zeitpunkt sprichwörtlich verboten war, waren Radfahren und Nordic Walking. Die Schockwirkung im Nackenwirbelbereich könnte eine weitere Lähmung auslösen.

So bin ich seit Spätherbst 2011 einem Fitnessstudio beigetreten, wurde ärztlich auf die diversen Übungen eingeschult und bin dieser Berufung treu geblieben. Für manche Fertigkeiten brauchte ich ein Jahr und mehr, bis ich sie endlich tatsächlich im Gesamtablauf durchführen konnte. 

Aber etwas habe ich aus dieser Situation gelernt – man muss nicht für alles, was man tut, eine Leidenschaft haben, um es schätzen und die Vorteile kennen zu lernen. Selbstdisziplin kann eine enorme Kraft sein, Dinge zu erreichen. Heute bin ich dort, wo ich mich nie sah – ein unfreiwilliger Sportler, aber auch dankbar dafür, die meiste Zeit über schmerzfrei zu sein – auch ohne ständig Schmerzmittel nehmen zu müssen.

… there was a life changing incident.

Or: how I involuntarily became athletic.

As mentioned in various stories in the past, I am rather unsportsmanlike, but I do a lot of sport. There is a profound reason for this: I have to.

Until 10 years ago I would never have dreamed that I would become a gym freak, go running or do anything even close to sports. Hiking, walking and swimming – yes, happy, but sports? Certainly not me.

Even at school I hated these classes. What I always enjoyed as a child was cycling. But to throw myself on my mountain bike and climb mountains on a mountain bike – no, thank you. Much too strenuous. In that time, I was able to read a good book instead.

Not quite 20 years ago the first moment came when I had to change something in my life. Within a very short time, I could no longer walk and step on my left leg. Many know the pain – the sciatic nerve “played tricks with me”.

X-Ray. Double twisted scoliosis. Injured nerve. Therapy. Constant exercise program. Do not lift anything heavier than three kilograms for 6 months. That put a huge damper on me. I had to spend time doing something I didn’t want to.

But constant pain and limited mobility make you do a lot. Everything got better. My gymnastics sessions took longer intervals from one another again. About five years after this experience, my left shoulder started to hurt every now and then. My neck as well. Well, I got older. Maybe I was laying badly, what do you know.

Finally, one day in the spring of 2011, I had a completely numb arm after getting up. I definitely must have slept in a bad position. What else should it be? I will never forget the tingling feeling of the arm that is supplied with bloodflow again. Almost painful. OK, painful.

Half a year later, in September 2011, the actual shock experience.

I woke up in the middle of the night and couldn’t turn around. My upper body was cramped, and I couldn’t move my left arm. Not just numb but paralyzed. Nothing worked. Neither shoulder nor elbow nor fingers responded. A bit of panic broke out in me. I got up. I couldn’t sleep any more anyways. I was alone in the apartment and sat down at the computer. Should I do some research? Call the ambulance? Both of my parents‘ families have had heart attacks historically … but then again, I didn’t believe that.

I researched. What finally brought me to my current orthopedic surgeon and sports doctor, Dr. Christof P. The office was open at 7 a.m. I called, described my situation and was called in as an emergency.

After a quick referral for X-rays and MR, a herniated disc in the neck injured the nerve in the neck, shoulder and arm area in such a way that it triggered an inflammation that made the nerve no longer react.

Infiltration into the nerve – I thought I was walking up walls in pain. To be honest, I passed out. Treatment in 28 continuous therapy sessions to avoid surgery. Then we’d see …

I was able to move my arm again with pain, but I had to be clear about one thing – from now on I would have to train my muscles continuously and forever, thinking sustainably, staying active and not sitting too much and above all not for long periods of time. One reason why the decision to become self-employed almost had to be made … What was also proverbially forbidden from that point on were cycling and Nordic Walking. The shock effect in the cervical column could trigger further paralysis.

I joined a gym in late autumn 2011, received medical training on the various exercises and stayed true to this calling. For some skills I needed a year or more before I could finally perform them in the actually overall process.

But I learned something from that situation – you don’t have to be passionate about everything you do to appreciate it and understand its advantages. Self-discipline can be a tremendous force in achieving things. Today I am where I never saw myself – an involuntary athlete, but also grateful for being free of pain most of the time and not have to take painkillers all the time.

… großes Glück im Unglück.

Oder – wie ein Tarock-Spieleabend eine komplett anderen Verlauf nahm.

Anfang der 1990er Jahre. Meine Eltern, mein Bruder und ich saßen wie schon oft davor an unserem Tarock-Spieltisch in unserer Wohnküche. Wir hatten bereits einige Zeit gespielt und entschieden uns, eine Abendessen-Unterbrechung einzulegen. Ich liebte diese Abende. 

Tarock ist ein recht schwierig zu erlernendes Kartenspiel, aber wenn man es einmal nicht nur verstanden hat, sondern talentiert nutzen kann, macht es extrem viel Spaß und kann extrem spannend sein. 

Aber zurück zu diesem Spieleabend. Wir hatten uns also für eine Spielpause entschieden, um zu Abend zu essen, unter anderem Suppe und Salat. Meine Mutter stand auf und stellte die bis dahin gebrauchten Gläser in den Geschirrspüler. Diesen ließ sie offen, ging darum herum in die Speisekammer, und wir hörten sie dort mit dem Geschirr klappern. Ich deckte inzwischen den Tisch, mein Bruder und Papa diskutierten noch über ihr Lieblingsthema Fotografie. 

Da kam Mama wieder aus der Speisekammer und ging, dynamisch wie sie ist, schnurstracks zum Herd. Leider hatte sie vergessen und übersehen, dass die Geschirrspültüre offen war und stolperte in einem spektakulären Sturz über die offene Tür.

Es krachte laut und metallisch. Wir waren alle geschockt und sprangen auf …

Wie in einer Bewegung eilten wir zu Mama, um ihr zu helfen. Die erste Sorge galt ihrer Wirbelsäule, hatte sie doch bereits schwere Operationen hinter sich. Zum großen Glück im Unglück hatte die offene Tür den Sturz abgefedert und meine Mutter hatte sich nur leicht am Ellbogen wehgetan.

Dem Suppentopf erging es schon anders. Der eine Griff war abgebrochen und auf Grund des Sturzvorganges war die Suppe in der kompletten Küche verteilt bis hin zur gegenüberliegenden Wand. Noch schlechter ging es der Tür des Geschirrspülers. Alles war komplett verzogen, verbogen und dass die Holz-Verkleidung nicht beschädigt war, war ein Wunder.

Gemeinsam mit meinem Bruder versuchte mein Vater nun die Scharniere und Verankerungen bestmöglich zu reparieren. Die Türe wurde herausgenommen und erst mit leichten, dann mit härteren Hammerschlägen der Marke „Schlechter kann es nicht werden“ wieder soweit zurückgebogen, dass der Wiedereinbau Sinn machte. Wenn man nicht wusste, was passiert war, mochte man glauben, sich in einer Eisenschmiedewerkstatt zu befinden.

Der Hunger oder besser der Appetit war uns auf jeden Fall vergangen, aber das wichtigste war, dass meiner Mama nichts passiert war. Trotzdem, geschockt saß sie da, beschämt und aufgelöst. Während die beiden Männer weiter an der Maschine arbeiteten, begannen wir damit, die Suppenspuren zu beseitigen.

Die Männer testeten dann den Geschirrspüler auf dessen Dichtheit – schließlich war nach wie vor eine gewisse Deformierung der Metallteile vorhanden – und es schien zu funktionieren. Meine Mutter war so erleichtert, dass sie meinte, sie werde gleich noch das Salz auffüllen und dann, während wir alle in der Küche waren, einen gesamten Spülgang durchlaufen lassen.

Gesagt, getan. Sie füllte die weiße Substanz in die vorgesehene Öffnung und erschrak aufs Neue. In der gesamten Aufregung hatte sie Salz mit Spülmittel vertauscht und stand da wie gelähmt. Ein Unglück kommt selten allein.

Zurückblickend auf diesen Abend, meine ich, dass Papa auf Grund der geglückten Reparatur der Türe einen ‚endorphinen‘ Höhenflug hatte und machte sich daran, diesen Salztank vom Spülmittel zu befreien. Er verlegte einen Gartenschlauch von der Spülmaschine in den Keller und mein Bruder hielt das eine Ende in den Tank, und meiner Vater sog am anderen Ende im Keller an, um den Fluss des Wassers samt Spülmittel abzuleiten. Ich füllte immer wieder Wasser nach, um den sukzessive Tank auszuschwemmen. Leider hatte mein Papa am Anfang dieser Aktion etwas Spülmittel abbekommen und keuchte und hustete – wie er meinte – Bläschen aus dem Mund. Scherzhaft, um meiner Mama alles etwas leichter erscheinen zu lassen. Es dauerte einige Zeit, aber im Endeffekt hielt der Geschirrspüler dicht und der Schaum war aus dem Tank entsorgt.

Ein langer Abend ging dem Ende zu. Mein Vater duschte, und als er endlich wieder in der Küche war, meinte er: „Heute bin ich außen und innen komplett sauber!

Der Geschirrspüler machte von diesem Tag an dann immer eigenartige Geräusche. Das zog sich über viele Monate hin und wurde immer schlimmer. So laut, dass man jederzeit damit rechnen musste, dass er schließlich kaputtgehen würde. Meine Mutter meinte, solange der geht, wird kein neuer gekauft. Sie ist sehr sparsam.

Mein Papa machte dann aber eines Tages die Bestellung für einen neuen, und als ob es so sein musste, wusch der alte Geschirrspüler genau an dem Tag, an dem der neue geliefert wurde nur mehr kalt. Dieser Umstand machte es meiner Mutter leichter, diese buchstäblich ärgerliche Geschichte abzuhaken und konnte sie schließlich hinter sich lassen.

Ende gut. Alles gut.


… there was a blessing in disguise.

Or – how a tarot game night took a completely different course.

Early 1990s. My parents, my brother and I sat at our tarot game table in our kitchen, as many times before. We had been playing for a while and decided to take a break for dinner. I loved these evenings.

Tarot is a very difficult card game to learn, but once you not only understand it, but can use it with talent, it is extremely fun and can be extremely exciting.

But back to that game night. So, we decided to take a break from playing to have dinner, including soup and salad. My mother got up and put the glasses that had been used up until then in the dishwasher. She left it open, went around it to the pantry, and we heard her rattle with the dishes. Meanwhile I set the table, my brother and dad were still discussing their favorite subject photography.

Then Mama came out of the pantry again and, dynamic as she is, went straight to the stove. Unfortunately, she had forgotten and overlooked that the dishwasher door was open and stumbled over the open door in a spectacular fall.

A loud and metallic crack. We were all shocked and jumped up …

As if in one movement, we rushed to mom to help her. The first concern was her spine, as she had already had major operations. Fortunately, in the accident, the open door had cushioned the fall and my mother only hurt her elbow slightly.

The soup pot got hit differently. One of the handles had broken off and due to the fall, the soup was spread all over the kitchen, even right up to the opposite wall. The dishwasher door was even worse off. Everything was completely warped, bent and that the wood paneling was not damaged was a miracle.

Together with my brother, my father tried to repair the hinges and anchors in the best possible way. The door was removed and then bent back with first light, then harder blows of the hammer by calling it „It can’t get any worse“ until it made sense to reinstall it. If you didn’t know what had happened, you might think you were in an iron forge.

We had definitely lost our hunger, or rather our appetite, but the most important thing was that nothing happened to my mom. Still shocked, she sat there as ashamed as agitated. While the two guys continued to work on the machine, we started cleaning up the traces of soup.

The guys then tested the dishwasher for leaks – after all, there was still some deformation of the metal parts – but it seemed to work. My mother was so relieved that she wanted to add the dishwasher salt in a moment and then run a full rinse cycle while we were all in the kitchen.

Said and done. She filled the white substance into the opening provided and was startled again. In all the excitement she had swapped salt for detergent and stood there, paralyzed. When it rains, it pours.

Looking back on that evening, I think that Dad had an ‚endorphin‘ high due to the successful repair of the door and was set about to remove the detergent from the salt tank. He ran a garden hose from the dishwasher to the basement and my brother put one end into the tank and my father sucked it on the lower end in the basement to divert the flow of water and detergent. I kept filling up with water to successively flush out the tank. Unfortunately, at the beginning of this action, my dad got some soap sip and was panting and coughing – as he said – bubbles from his mouth. Jokingly, to make everything seem a little easier for my mom. It took some time, but in the end the dishwasher was waterproof, and the foam was removed from the tank.

A long evening came to an end. My father took a shower and when he was finally back in the kitchen he said: „Today I am completely clean – inside and out!“

From that day on, the dishwasher kept making strange noises. This dragged on for many months and got worse. So loud that you had to expect it to break any second. My mother said that as long as it works, no new one will be bought. She thinks and lives very economically.

One day though, my dad placed an order for a new one, and as if it had to be, the old dishwasher just washed cold on the day the new one was delivered. This circumstance made it easier on my mom to move on and she was able to leave this literally exasperating story behind her.

All’s well that ends well.

… ein magischer, alles rettender Teppich.

Fast vier Jahrzehnte ist es heuer her, dass mein Elternhaus umgebaut wurde. Um ehrlich zu sein, es gibt Teile, die verlangen nach der nächsten Renovierung… 

Wie auch immer. Die Kinderzimmer waren im Erdgeschoss und die Küche – das Zentrum des Lebens, der Wärme, der Zukunft und Sicherheit – damals im ersten Stock. Sechzehn Stufen trennten das untere Stockwerk vom oberen. Zwischen meinem Zimmer und der alles umfassenden Küche, lagen das Zimmer meines Bruders, der große Vorraum mit der Türe in den Keller, das Stiegenhaus, ein weiterer Vorraum im ersten Stock, der zu Bad, Schlafzimmer der Eltern, besagter Küche und schließlich zum Wohnzimmer führte.

Ich liebte mein Zimmer. Hah – es war das größte im ganzen Haus. Selbe Fläche wie das Wohnzimmer direkt darüber, aber ohne Dachschrägen. Ich verbrachte viel Zeit in meinem Zimmer mit Spielen, Hausaufgaben machen und dem einen oder anderen Hausarrest (ich bin temperamentvoll).

Aber eines war klar – sobald es dunkel wurde draußen, die Lichter angingen im Haus, und ich von meinem Zimmer den unsagbar langen Weg von durch das Zimmer meines Bruders, durch den Vorraum, dann die 16 Stufen und die letzten Meter durch das Vorzimmer vor der Küche bis auf den grau-rot-gefleckten (ja, das stimmt wirklich!) Teppich in der Küche zurücklegen musste, war ich ‚in Gefahr‘. 

Es war ein Lauf um mein Bestehen, mein ganzes kindliches Sein. Ich musste alles geben, um den dunklen Winkeln des Erdgeschosses keine Gelegenheit zu geben, ihre Fangarme nach mir zu strecken.

Ich rannte oft und schnell davon. Vor … 🐲🧟‍♂️🐉 

… den Hausmonstern, den Winkelscheusalen, den Ungeheuern in meinem Kopf, den Ungetümen, die sich in meinem Geist bildeten von dem Moment des Lichtaufdrehens im Zimmer meines Bruders und dem Vorzimmer, auf dem Rückweg zum Lichtabdrehen in meinem, beim Durchqueren des Zimmers meines Bruders, des Lichtabdrehens genau dort und dann im Vorzimmer, mit Weltrekord-Speed durch das damals wenig beleuchtete Stiegenhaus, dem Lichtabdrehen des oberen Vorraums bis zum Sprung auf den alles und jeden rettenden magischen Teppich.

Dieser Teppich war das ersehnte, erlösende Ziel jedes Abends. Sobald ich mich mit beiden Füßen auf diesem rotkariert-gefleckten Bodenleger befand, war ich gerettet. Nichts konnte mir mehr etwas anhaben. Die Drachen der Höhle des Untergeschoßes mussten sich verziehen und fluchten darüber, mich wieder nicht erwischt zu haben. Ich grinste mehr aus Erleichterung als aus Siegesgefühl. Schließlich entkam ich jeden Abend nur ganz knapp einem undefinierten Sein in der Dunkelheit.

Warum ich da nicht sportlich geworden bin, weiß ich bis heute noch nicht. Oder vielleicht gerade deswegen … Nach dem Umbau war die Küche auf jeden Fall im Erdgeschoß und da nahm die Kurve meiner Sportlichkeit eine jähe Kurve nach unten. Die rasenden Laufaktionen waren kürzer und wurden immer weniger, die Monster immer kleiner, bis sie verblichen in einer Gedankenschublade abgelegt wurden.

Warum ich heute recht viel Sport betreibe, ist eine andere Geschichte und hat mit anderen Dämonen zu tun: nämlich mit Muskel- und Knochenmonstern.


… there was a magic, all rescuing carpet.

It’s been almost four decades this year since my parents‘ house was rebuilt. To be honest, there are parts that need the next renovation …

But moving on. The children’s rooms were on the ground floor and the kitchen – the center of life, warmth, future and security – on the first floor back then. Sixteen steps separated the lower floor from the upper. Between my room and the all-inclusive kitchen lay my brother’s room, the large hall with the door to the basement, the staircase, and another hall on the first floor, which led to the bathroom, parents‘ bedroom, known kitchen and finally to the living room.

I loved my room. Huh – it was the biggest in the whole house. Same area as the living room directly above, but without sloping ceilings. I spent a lot of time in my room playing, doing homework, and doing some house arrest (I’m the energetic kind).

But one thing was clear – as soon as it got dark outside and the lights went on in the house, and I had to go the unspeakably long way from my room, through my brother’s room, through the hall, then the 16 steps and the last meters through the hall in front of the kitchen, I was ‚in danger‘ until I reached the gray-red-spotted (yes, that’s really true!) carpet in the kitchen.

It was a run for my existence, my whole being. I had to do everything I could not to give the dark corners of the ground floor a chance to stretch their tentacles to catch me.

So, I ran often and quick. From …🐲🧟‍♂️🐉

… the house monsters, the horrible corner freaks, the ogres in my head, the beasts that formed in my mind from the moment I turned on the light in my brother’s room and the hall, on the way back to turned off the light in mine, while crossing my brother’s room again, turning off the lights right there and then also in the hall, with world record speed through the then poorly lit staircase, turning off the lights of the upper hall to finally jump onto the magic carpet that saved everything and everyone.

This carpet was the longed-for, redeeming goal every evening. As soon as I had both feet on this red checkered and spotted floor layer, I was saved. Nothing could harm me anymore. The dragons in the cave of the basement had to warp and swore for once again not having caught me. I grinned more out of relief than out of victory. After all, every evening I only barely escaped an undefined being in the dark.

I still don’t know why I didn’t get into sports right then and there. Or maybe because of that … After the renovation, the kitchen was set on the ground floor and the curve of my athleticism took a sharp curve downwards. The frenzied running actions got shorter and fewer, the monsters smaller and smaller, until they were faded into a drawer of my world of nearly forgotten thoughts.

Why I do quite some sport activities today is a different story and has more to do with different types of demons: the so-called muscle- and bone monsters.

… ein nicht vorhandenes Emoji.

Die Freude, die es macht und mit Liebe erfüllt, wenn man die kleine Symbole ‚schreiben‘ muss.

Es ist spätabends, und wenn ich kurz vorm Lichtabdrehen nochmals eine Nachricht an meine Mama sende per SMS – nein, nicht WhatsApp oder Instagram oder E-mail oder Messenger – dann kommt immer noch eine zurück.

Es gibt auch Abende da geht es noch ein paar Mal hin und her. Da bedanken wir uns gegenseitig für die lieben Gespräche, die wir untertags hatten. Ganz selten müssen wir uns für etwas entschuldigen. Im ganz Großen und Ganzen verstehen sich meine Mama und ich unfassbar gut. Dabei sind wir nicht mal aus demselben Holz geschnitzt. 

Seit mein Vater 2018 aber in unser aller Mitte von uns gegangen ist, habe ich auch ein noch intensiveres Band zu ihr. Das Band des geteilten Verständnisses. Des geteilten Leids. Der geteilten Erfahrung über den letzten Blick meines Vaters. Aber auch das Teilen des großen Herzens, das uns alle zusammenhält.

Meine Mama hat kein Smartphone. Sie will auch keines. Ganz im Gegenteil. Sie hat ein kleines, altes, eher billiges Mobiltelefon, das sie manchmal zu nahe an die Wange hält, und man sie beim Sprechen nicht versteht. Ein Telefon, das sich ab und zu von selbst ausschaltet, weil es einfach qualitativ nicht sehr hochwertig ist, was mich dann manchmal ‚giftspritzig‘ macht, wenn ich sie dadurch nicht erreichen kann. Es hat keinen berühmten Markennamen, es hat kein Bluetooth. Keinen Internetzugang und schon gar keine Apps. Fotos macht es auch keine und es schickt und empfängt keine Emojis. Weil es keine hat.

Aber meine Mutter liebt dieses Telefon, und ich liebe sie. Die Augenblicke der Kurznachrichten, die wir uns senden, wenn wir uns ganz nahe sind, haben immer nur ein Wort:

HERZ

Manchmal sind es auch drei Worte:

HERZ ROT GROSS

Dann wissen wir ganz genau, was gemeint ist.

♥️


… a non-existent emoji.

The joy it gives and fills you with love when you have to ‚write‘ the little symbols.

It’s late in the evening and when I send one more message to my mom via SMS shortly before I turn off the lights – no, not via WhatsApp or Instagram or e-mail or messenger – there always comes one back.

There are also evenings when it goes back and forth a few times. We thank each other for the lovely conversations we had during the day. Very rarely do we have to apologize to each other for anything. On the whole, my mom and I get along incredibly well. Despite not being carved from the same block.

But since my father died in 2018, I have had an even more intense bond to her. The bond of shared understanding. Of shared suffering. The shared experience of my father’s last glance. But also sharing the immense heart that holds us all together.

My mother doesn’t have a smartphone. She doesn’t want one either. Quite the contrary. She has a small, old, rather cheap cell phone that she sometimes holds too close to her cheek and cannot be understood when she talks. A phone that switches itself off every now and then because it is simply not of very good quality, which sometimes makes me ‚a spitfire‘ when I cannot reach her because of that. It doesn’t have a famous brand name; it doesn’t have Bluetooth. No internet access and certainly no apps. It doesn’t take any photos either, and it doesn’t send or receive emojis. Because it doesn’t have any.

But my mom loves this phone, and I love her. The moments of the short messages that we send each other when we are very close always have only one word:

HEART

Sometimes there are three words:

HEART RED LARGE

Then we know exactly what is meant.

♥️

… ein entscheidender Moment.

Oder: Warum ich mich schlussendlich selbständig gemacht habe.

Eines muss ich offen und ehrlich zugeben: nach der Matura (dem Abitur), hatte ich einfach keine Lust, ein Studium zu beginnen. Zwischendurch tat mir das dann zwar leid – manchmal persönlich, ab und zu auf den Lebenslauf bezogen – ja, ich habe es ein paar Mal bereut. Heute ist es aber nicht mehr so wichtig.

Wie auch immer. Ich bin ein kreativer Mensch, nun ist diese Sache Tatsache, und ich habe mich nach meinem höher bildenden Schulabschluss für ein Handwerk entschieden. Lederverarbeitende Branche mit Lehre und allem Drum und Dran. Die Lehre habe ich dann zwar umgewandelt in eine fortgeschrittene Form der Ausbildung auf Grund meines Schuldabschlusses, aber im Endeffekt machte ich meinen Gesellenbrief, meinen Meisterbrief, meine Unternehmerakademie – mit allen Höhen und Tiefen. Vor allem auch Tiefen, aus denen ich viel gelernt habe. Ich erfuhr Missgunst, Neid über Erfolg, Eifersucht, sogar Beschuldigung des Diebstahls waren dabei. Und für mich schließlich Firmenwechsel. Abschließen. Nach vorne schauen.

Dieser war superb. Ich konnte all mein Know-How einsetzen. Fuhr zu Messen, war Einkaufsleiterin für ein angesehenes Taschen- und Reisegepäck-Geschäft in Graz. Ich wurde gut, ich wurde besser. Praktisch unersetzbar. Ich hatte einfach Freude an meiner Arbeit.

Zuviel des Guten. Mein Chef kam nach zwei Jahren in einer anderen Position zurück und danach musste ich – die den Meistertitel hatte – fragen, ob etwas reparierbar war oder nicht. Das war es dann für mich. Zenit erreicht. 

Zu hoch geflogen, Ikarus. 

Darum gab es hier nur noch eines … Sprung ins kalte Wasser.

Wieder neu beginnen. IT- und Eventmanagement. Eine der glücklichsten Zeiten meines Lebens. Umstände wie Umzug der Firma nach Wien und private Gegebenheiten ließen mich kürzertreten. Teilzeit. Reisen mit meinem Mann zu seinen Projekten weltweit. 

Mitte der 2010er Jahre dann ein für mich nettes Angebot: IT-, Website- Soziale Medien-Verwaltung für ein Parfümerie-Unternehmen in Graz. Die Dame, die das jetzt machte, tat dies im Geschäftslokal und nicht im Büro, was inakzeptabel für die Besitzerin war, und außerdem sei sie nicht verlässlich … das Übliche.

Ich ließ mich zusätzlich zu meinem alten Teilzeitjob hier für 10 Stunden pro Woche anstellen. Konnte viel von zu Hause arbeiten, dann wurde es mehr im Büro, dann wurde es mehr als IT- und Webbetreuung. Es wurden mehr Stunden. Dann sollte ich nur mehr im Büro arbeiten, dann sollte ich Kunden besuchen und in den Verkauf, weil ich so gut ankäme. Zusätzlich wurden mir aber E-Mails diktiert in fehlerhaftem Englisch.

Schließlich wurde ich gefragt, ob ich die Büroarbeit nicht im Verkaufslokal machten könne, weswegen die andere Dame eigentlich gekündigt worden war. 

‚Überlegen Sie sich übers Wochenende, ob Sie das machen wollen.‘ Mit Computer, Drucker und mehr oder weniger ohne Schreibtisch in einem Verkaufslokal von 10 m2 mit Kleidern und Accessoires und der einen oder anderen Parfum-Flasche. Selbstverständlich in DER Einkaufsstraße von Graz. Das macht alles wett. Aber natürlich.

Nein, danke. Das Wochenende brauchte ich nicht, um mir das zu überlegen. Meine vorhergehende Kollegin wurde dafür gekündigt, was jetzt von mir erwartet wurde. Kann mir jemand diese Logik erklären, außer mit Kostenreduktion und Ausnutzen?

Es gibt definierende Momente im Leben, die man einfach ergreifen muss. Ich hatte zu viele chaotische, selbstverliebte Chefs in der Vergangenheit, um nicht zu erkennen, dass mein Weg jener der Selbständigkeit war.

Mein eigener Chef sein und die Kunden als Chef zu wählen, die mich nicht mehr zum Narren hielten.

Ich bin angekommen und glücklich darüber. Danke an meine Kunden und Freunde von Foto und Wort.


… there was a defining moment.

Or: Why I finally started my own business.

I have to admit one thing openly and honestly: after graduating from high school, I just didn’t want to continue studying. At times I felt sorry about that – sometimes personally, from time to time based on my résumé, but yes, I regretted it a few times. Today it is not that important anymore.

Whatever, I am a creative person. Now, fact is fact, and after graduating from high school, I decided to do a trade. Leather processing industry with apprenticeship and all the bells and whistles. I then converted the educational process into an advanced form of training, based on my school education, but in the end I made my apprenticeship certificate, my Master Craftsman Certificate, my entrepreneurial academy – with all the ups and downs. Above all, lows from which I have learned a lot. I had to experience resentment, envy of success, jealousy, even accusations of theft. And therefore finally, a change of company to move on.

The job change was superb. I was able to use all of my know-how. Drove to trade fairs, became the Purchase Manager for a respected bag and luggage shop in Graz. I got good, I got better. Practically irreplaceable. I just enjoyed my work.

But that was too much for me to ask for. My boss, being away for two years for a different position, came back and out of nowhere it was me – the one with the master’s degree – who had to ask whether something could be repaired or not. That was that it for me. Reached the ceiling. Nowhere else to go.

Icarus had flown too high.

There was only one thing to do here … Jump into the deep end.

IT and Event Management. One of the happiest times of my life. Circumstances such as the company’s relocation to Vienna and private occurrences made me curtail myself. I went for the part-time-version of my employment. Traveling with my husband to his projects around the world.

In the mid-2010s then a nice offer for me: IT, website and social media administration for a perfumery company in Graz. The lady who did this at the moment did it in the sales room, not the office, which was unacceptable for the owner, and above all she was not reliable … the usual.

In addition to my old part-time job, I got hired here for 10 hours a week. I was able to work a lot from home, then it became more in the office, then it became more than IT and web support. There were more hours. Then I should just work in the office, then I should visit customers and go into sales because apparently, I was popular. In addition, however, E-mails were dictated to me in incorrect English.

Finally, I was asked if I could do the office work in the sales room, which is why the other lady had actually been fired.

‘Think about it over the weekend, think about whether you want to do that.’ With a computer, printer and more or less without a desk in a 10 m2 shop with clothes and accessories and one or the other perfume flasks. In THE shopping street in Graz. That makes up for it all. Of course.

Well, no thanks. I didn’t need the weekend to think about it. My previous colleague was fired for what was now expected of me. Can someone explain this to me except as a cost reduction and taking advantage of?

There are defining moments in life that you just have to seize. I’ve had too many chaotic, self-indulgent bosses in the past not to realize that my path was that of self-employment.

To be my own boss and to choose the customers as my boss and not being fobbed any longer.

I have arrived and am happy about it. A big thank you to my clients and friends of ‚Foto und Wort‘.

… ein Haus in den Colorado Rocky Mountains.

Oder: Der ehemalige Himmel auf Erden. 

Mein Mark hatte von seinem Vater in den 1990er Jahren ein Holzhaus in den Colorado Rocky Mountains geerbt. Wunderschön gelegen in den Ausläufern des Rocky Mountain National Park auf fast 2900m Seehöhe. Umgeben von Wald und geringer Anzahl von Nachbarn und somit Lärm und Verkehr. 

Eine Insel der Seligen sozusagen, mitten in der Natur. Einer der schönsten Vorzüge war, dass es dort keinen Telefonempfang gibt. Nach vor nicht. Zumindest für Mobiltelefone. 

Wir steckten viel Arbeit in das Haus mit Renovierungsarbeiten innen und außen und obwohl ich online sein konnte, – Internetzugang hatten wir uns legen lassen – konnte ich diese handwerklichen Arbeiten extrem genießen. Mit acht Stunden Zeitunterschied zu Europa waren die überlappenden Arbeitszeiten gering und man erledigte praktisch alles per E-mail. 

2009 wurde ein besonderes Jahr. Mark lud meine Eltern ein, nach Colorado zu kommen. Wir hatten davor schon alles schön hergerichtet und so flog ich im Spätherbst mit meinen Eltern für drei Wochen nach Colorado. Die Freude und das Kennenlernen über dieses schöne Plätzchen machte es ihnen in der Zukunft leichter, wenn ich lange von Österreich weg war. Wir verbrachten eine wunderschöne Zeit zusammen und Mitte November flog ich mit meinen Eltern wieder nach Europa. Mark war unterwegs nach Nebraska, einem Projekt folgend.

Drei Wochen nach unserem Heimkehr, rief Mark mich an und sagte, das Haus (The Cabin) sei praktisch zerstört. Wasserrohrbruch, alles steht unter Wasser.

Ich fiel aus allen Wolken meines Himmel auf Erden.

Es war oft so kalt im Winter dort, dass wir bis ins Frühjahr warten mussten, nachdem wir oft auch sehr lange nicht dort waren, um uns den Schaden wirklich begutachten zu lassen. Im Mai 2010 konnten wir dann endlich die Misere besichtigen. Es war schlimm, aber nicht irreparabel. Die Versicherung zahlte zum Glück einen Großteil, aber nach allen Renovierungsarbeiten war immens viel Arbeit, da alles im Umbaustaub vernebelt worden war. Erst im Herbst desselben Jahres war ich nach einem weiteren zweimonatigen Aufenthalt fertig, alles gewaschen und geputzt zu haben. 

Auch in den folgenden Jahren investierten wir viel Zeit und Arbeit in unsere Cabin, bis es mir 2014 dann irgendwann einmal zu viel wurde und ich zu Mark sagte:

„Wann werden wir diesen Himmel auf Erden eigentlich einmal genießen?“ 

Und das ist einer der wunderschönen Eigenschaften meines Mannes. Im Handumdrehen stimmte er zu, und wir ließen uns es einmal gut gehen – bei uns zu Hause. HOME

Im Herbst 2015 kamen meine Eltern nochmals und der zweite USA-Trip war noch viel schöner. Ich bin unendlich dankbar, dass Mark es möglich gemacht hatte, sie ein zweites Mal in unser Zuhause in den Staaten einzuladen. Sie hörten und sahen die Elche, von denen ich erzählt habe, die durch unser Grundstück spazierten, konnten die Ruhe genießen, lernten unsere lieben Freunde Garry und Claudia kennen, und sahen einiges nun auch anders – mit einem Weitblick, der ihnen sonst wahrscheinlich versagt geblieben wäre.

Im Dezember 2016 flog ich das letzte Mal nach Colorado. In der zweiteiligen Geschichte „... eine schwere emotionale Zwangslage habe ich bereits davon erzählt. Nachdem Mark Projektangebote in Europa hatte und mein Vater schwer krank war, entschlossen wir uns nach meinem Rückkehr im Jänner 2017 nach Österreich, unseren ‚Himmel auf Erden‘ aufzugeben und zu verkaufen. Wir wären lange Zeit nicht hinübergekommen und ein Haus in der mehr oder weniger Wildnis so lange alleine zu lassen, war nicht in unserem Sinn. Vermieten wollten wir unser Kleinod auch nicht. 

Natürlich waren wir immens unglücklich, das Umsiedeln von wenigen, aber doch einigen sehr geschätzten Dingen von Mark eine internationale, holprige Herausforderung, die wir aber schlussendlich über die Bühne brachten. Wir gaben Haus und meinen geliebten Jeep auf. Für einen neuen gemeinsamen Lebensabschnitt hier.

Was uns heute eine Erleichterung für diese vergangene Entscheidung ist, ist, dass bereits 2018 ein Investor das angrenzende Grundstück mit sehr nahe an unsere Cabin gebaute, extrem geschmacklose Wohnblöcke optisch zerstörte. Es wäre uns ein richtiger Dorn im Auge heute.

So gleicht sich irgendwie immer alles aus und die schönen Erinnerungen kann uns niemand nehmen.


 … a house in the Colorado Rocky Mountains.

Or: the former Heaven on Earth.

My husband inherited a wooden house in the Colorado Rocky Mountains from his father in the 1990s. Beautifully situated in the outskirts of the Rocky Mountain National Park at almost 9500ft above sea level. Surrounded by forest and a insignificant number of neighbors and therefore little noise and traffic.

An island of bliss, so to speak, in the middle of nature. One of the nicest things about it was that there is no telephone reception. Even yet. At least for cell phones.

We’ve put a lot of work into the house with renovations inside and out and although I could be online – we had internet access – I was able to extremely enjoy this manual work. With an eight hours’ time difference to Europe, the overlapping working hours were minimal and practically everything was done by e-mail.

2009 was a special year. Mark invited my parents to come to Colorado. We had already arranged everything nicely beforehand and so I flew to Colorado with my parents for three weeks in late fall. The joy and getting to know this beautiful place made it easier for them in the future when I was away from Austria for a long time. We spent a wonderful time together and in mid-November I flew with them back to Europe. Mark was on his way to Nebraska following a project.

Three weeks after we had got home, Mark called me and said the cabin was practically destroyed. Broken water pipe, everything is under water.

I absolutely flabbergasted.

It was often so cold there in winter that we had to wait until spring, after we had not been there for a long time, to really judge the damage. In May 2010 we could finally see the misery. It was bad, but not irreparable. Luckily the insurance paid a large part of it, but after all the renovation work there was an immense amount of effort, as everything had been clouded up in the renovation dust. It wasn’t until the fall of the same year that I was finished after another two-month stay, having washed and cleaned everything.

In the following years we also invested a lot of time and work in our cabin, until in 2014 it got too much for me and I finally said to Mark:

„When will we actually enjoy this place, our Heaven on Earth?“

And that’s one of my husband’s beautiful qualities. He agreed with the turn of a switch and we had a good time – at home. HOME.

In autumn 2015 my parents came again and the second trip to the USA was even better. I am immensely grateful that Mark made it possible to invite them to our home in the States a second time. They heard and saw the moose, that I’ve talked about walking through our property, were able to enjoy the peace, got to know our dear friends Garry and Claudia, and now saw some things differently – with a vision that would otherwise they would have been denied.

I flew to Colorado for the last time in December 2016. I have already told you about it in the two-part story “… a severe emotional predicament”. After Mark had project offers in Europe and my father was seriously ill, after my return to Austria in January 2017 we decided to give up our ‚Heaven on Earth‘ and sell it. We would not have been able to come for a long time and leaving a house alone in the more or less wilderness for such a long time was not in our minds. We didn’t want to rent our gem either.

Of course, we were immensely unhappy, the relocation of a few, but some very precious things of Mark, was an international, bumpy challenge that we finally managed. We gave up house and my beloved jeep. For a new stage of life together here.

What a relief it is to us today about this decision is, that as early as 2018 an investor visually destroyed the adjacent property with extremely tasteless apartment blocks built very close to our cabin. It would be a real eye sore today.

Somehow everything balances and nobody can take away the beautiful memories.

… eine gewollte, aber ungeplante Heirat.

Oder – Besser hätten wir es nicht planen können.

Im Frühling 2012 war ich wieder einmal für einige Zeit in den Vereinigten Staaten. Gemeinsam mit Mark kümmerte ich mich um seine Mutter Jeanne, die mit ihren 84 Jahren und einigen körperlichen Gebrechen immer mehr Unterstützung benötigte. 

Im Laufe meines Aufenthaltes in Colorado, besorgten Mark und ich das eine oder andere für unsere Heirat, auch wenn wir noch nicht genau wussten, wann wir diesen Schritt gehen würden. Seit gut zwei Jahren waren wir verlobt; wir wollten heiraten – aber wir wollten es auch an einem besonderen Ort tun. 

Irgendwie verging die Zeit so schnell und wichtiger als unsere Heirat war uns ein kurzer Wanderurlaub, um abzuschalten, bevor ich wieder nach Europa flog. Heirat konnte warten. Wir waren seit Jahren beisammen. Würde sich überhaupt viel ändern? 

Also machten wir uns auf den Weg mit unserem Jeep und blieben in Colorado, um den Rattlesnake Canyon zu finden, den wir durchqueren wollten. Es war Mitte Mai, trocken, staubig und heiß in dieser Halbwüste. Den Canyon haben wir nicht gefunden, aber ein paar schöne Wandertage. Auf dem Weg zurück in unsere Haus in den Rocky Mountains, blieben wir eine Nacht in Glenwood Springs. Einem Erholungsort mit Heiltherme, Hotels und guten Restaurants.

Und einem „Court of Justice“.

Glenwood Springs gefiel uns beiden extrem gut, und so suchten wir letzteren auf, um zu sehen, ob wir hier heiraten könnten. Kleid und Anzug waren zwar zu Hause, aber wegen einer Heiratslizenz fragen kann man ja einmal…

Am selben Tag war es zu spät, teilte uns eine Mitarbeiterin, die gerade aus dem Gebäude kam mit, aber am nächsten Morgen wäre das sicher kein Problem. Gut gelaunt gingen wir ins Pub und beschlossen, das am nächsten Tag zu tun. 

Um 10 Uhr gingen wir zurück und nach der Sicherheitskontrolle in der Halle, wo ich meine Wanderschuhe genauso durch den Scanner schicken musste wie meinen Rucksack gleich wie am Flughafen, gingen wir in den zweiten Stock, zum erwähnten Schalter.

Niemand war da. Wir betätigten die Klingel.

Und da kam sie. Pamela Burns. Ich werden den Namen niemals vergessen. Eine kleine rundliche Dame schlenderte um die Ecke und begrüßte uns freundlich. Da standen wir also in unseren Wanderausrüstungen in Jeans, Shirt und karierter Bluse, Wanderschuhe und Rucksack.

Wir hätten gerne eine Heiratslizenz.“, sagte Mark. „Wann wollt Ihr den heiraten? Heute?“ war die freundliche Rückfrage. Mark und ich sahen uns an mit dem Blick – „Ja, warum eigentlich nicht?“ 

Miss Burns freute sich und meinte, dass der Friedensrichter gerade keine Zeit habe, aber wenn sie als Zeugin für uns ausreichte, dann könnten wir das gleich mit ihr machen. Wir fanden sie sehr sympathisch, und so stiegen wir sofort darauf ein. 

Wir plauderten ein bisschen, während wir die Unterlagen ausfüllten, und ich dann sogar die Heiratsurkunde. Stellte sich heraus, dass Miss Burns’ Vorfahren aus Österreich stammten. So ein Zufall.

Nach rund 20 Minuten und einem sehr netten Austausch mit unserer Trauzeugin, war alles vorüber, und wir hätten es uns nicht besser vorstellen können. Keiner von uns beiden wollte je eine große Hochzeit mit viel Tamtam. Jetzt waren wir verheiratet und happy. 17. Mai 2012.

Wir verließen das Gebäude. Irgendwie sahen an diesem Tag alle Leute glücklich aus.

Zum Mittagessen war es zu früh. Also gingen wir, um uns einen schönen Kaffee zu besorgen. Ein Kaffee zum Feiern. Mit allem Drum und Dran und Schnick-Schnack. Fast 8 Dollar das Stück von einem spezialisiertem Coffee Shop. 

Wir traten auf die Straße, gingen ein paar Schritte und mit unserem Cups-to-go stießen wir auf das freudige Ereignis an.

Fast geschockt sahen wir uns an. Der Kaffee war so grauenhaft, dass wir ihn nach gegenseitiger Zustimmung in den nächsten Abfallcontainer warfen. Das hätte ich früher nie gemacht, was Mark auch wusste, und er meinte rund 30min nachdem wir verheiratet waren:

„Wahnsinn! Du hast Dich schon komplett verändert!“


… a wanted but unplanned wedding.

Or – We couldn’t have planned it better.

In the spring of 2012, I was in the United States again for some time. Together with Mark, I looked after his mother Jeanne, who, at 84 years of age and with some physical ailments, needed more and more support.

During my stay in Colorado, Mark and I got a thing or two for our marriage, even though we didn’t know exactly when we would take this step. We had been engaged for a good two years’ time; we wanted to get married – but we also wanted to do it in a special place.

Somehow, we were running out of time and more important than our marriage was a short hiking holiday to recharge the batteries before I flew back to Europe. Marriage could wait. We’d been together for years. Would there change a lot ?

We drove out in our Jeep and stayed in Colorado to find the Rattlesnake Canyon that we wanted to hike. It was mid-May, dry, dusty and hot in this semi-desert. We didn’t find the canyon, but we did have a couple of nice hiking days. On the way back to our home in the Rocky Mountains, we stayed one night in Glenwood Springs. A resort with a thermal bath, hotels and good restaurants.

And a “Court of Justice”.

We both liked Glenwood Springs extremely, so we went to see the latter to find out if we could get married here. Dress and suit were at home, but we could ask about a marriage license …

On the same day it was too late, said a member of staff who just came out of the building, but the next morning it would certainly be no problem. In a good mood we went to the pub and decided to go for it the next day.

At 10 o’clock we went back and after the security check in the hall, where I had to send my hiking boots through the scanner as well as my backpack just like in an airport, we went to the second floor, to the counter mentioned.

Nobody was there. We rang the bell.

And there she came. Pamela Burns. I will never forget the name. A stocked little lady strolled around the corner and greeted us warmly. Here we stood in our hiking gear in jeans, shirt and checked blouse, hiking boots and backpack.

We’d like a marriage license.,“ said Mark. “When do you want to get married? Today?”, was the friendly question. Mark and I looked at each other with the look – „Yes, why not?

Miss Burns was happy and said that the judge had no time right now, but if she was enough as a witness for us, we could do get married through her right now. We found her very personable, and so we got on straight away.

We chatted a little while filling out the papers and then I even got fill out the marriage certificate. It turned out that Miss Burns’ ancestors came from Austria. What a coincidence. 

After about 20 minutes and a very nice exchange with our ‘maid of honor’, it was all over and we couldn’t have imagined it any better. Neither of us ever wanted a big wedding with a lot of fanfare. Now we were married and happy. May 17th, 2012.

We left the building. Somehow all people looked happy that day. It was too early for lunch. So, we went to get a nice coffee. A coffee to celebrate. With all the trimmings and bells and whistles. Almost $ 8 each from a specialized coffee shop.

We stepped out into the street, took a few steps and toasted the happy event with our cups-to-go.

We looked at each other in shock. The coffee was so horrible that we threw it into the nearest trash bin simultaneously. I would never have done that before, which Mark also knew, and he said about 30 minutes after we were married:

„Man! You have already changed completely!“

… eine entzückende Werbung.

Eine Kindheitserinnerung an kuschelige Momente.

Irgendwie verbindet man Werbung mit Suggerieren des ‚Falschen‘, des ‚Unmöglichen‘, auch Unnötigen. Alles ist zu viel, zu gut, zu schön, um wahr zu sein.

Aber es gibt da ein paar Beispiele, die ich aus meiner Kindheit habe, die gar nicht so sehr als Produkt an und für sich in meiner Erinnerung blieben als prompteres (Ver-)Kaufsargument. Das Argument war vielmehr Spaß haben und ein Wohlfühlgefühl. Weich, warm, kuschelig.

Die Faserschmeichler nämlich. Die kleinen rosaroten Schmeichler, die sich an die Fasern jeder Wäsche schmeicheln und schmiegen und somit die Haut wärmen und in Konsequenz das Wohlfühlen steigern. Und das Werbelied dazu? Einfach hinreißend für ein kleines Mädchen wie mich. Da war ich gerne bereit, meiner Mama beim Wäscheaufhängen zu helfen, weil ich eintauchen konnte in diese lustige, heile Welt der kleinen Wäscheelfen. Das war einmal mein Traumberuf …

Unzählige Male bin ich tagsüber auf Mama’s Schoß gesessen, und wir haben uns zur Melodie der Faserschmeichler umarmt und aneinander geschiegt. Gesungen haben wir selbst und uns zum Takt gewiegt. Und es hatte nichts zu tun mit der Werbung –… obwohl das Lied mir heute noch im Gedächtnis ist.

Wohlig, sanft und warm.

Ich frage mich manchmal, wie oft ich Mama untertags von der Hausarbeit abgehalten habe, um mit mir dieses Liedchen wieder und wieder zu trällern. Denn gleich nach der Faserschmeichler-Werbung am Abend, war es für mich Zeit, schnurstracks zu Bett zu gehen. 

Ja, so war das mal. 20.00h war spätestens Bettruhe – und die Faserscheichler, die mir meine Mama extra in mein Herz gegeben hat durch die Zeit, die sie mir untertags geschenkt hatte, haben mich einschlummern lassen. 

Vielleicht habe ich da meine Träume gehabt, die mich den kreativen Weg einschlagen ließen.


… there was a delightful TV-commercial.

A childhood memory of cozy moments.

Somehow one connects advertising with suggesting the ‚wrong‘, the ‚impossible‘ and the unnecessary. Everything is too much, too good, too good to be true.

But there are a few examples that I have from my childhood that did not stay in my memory as a product in and of itself as a more prompting selling point. Rather, that it was to have fun and feel good. Soft, warm, cozy.

In form of the “fiber flatterers”. The little pink flatterers that flatter and nestle against the fibers of every clothing and therefore caress the skin and consequently increase the feeling of wellbeing. And the promotional song? Just gorgeous for a little girl like me. I was happy to help my mom with hanging up the laundry, because I could immerse myself in this fun, ideal world of little laundry elves. It actually was my dream job once …

I sat on Mum’s lap countless times during the day, and we hugged and huddled together to the tune of the fiber flatterers. We sang ourselves and swayed ourselves to the beat. And it had nothing to do with the TV-spot – although the song is still in my mind today.

Comfortable, gentle and warm.

Sometimes I wonder how often I kept mom from doing her work during the day to sing this song over and over with me. Because right after the “fiber flatterers” commercial in the evening, it was time for me to go straight to bed.

Yes, that’s how it used to be. At 8 p.m. it was bed rest at the latest – and the flatterers, which my mom gave me extra into my heart through the time she spent with me during the day, let me fall asleep.

Maybe that’s where I had my dreams that made me go for the creative path.

… there was a young family battling for the right thing to happen.

How we became part of a story that changed our whole outlook on life. 

My husband Mark had been a troubleshooter for various companies in difficulties all over the globe for around 25+ years. A few years ago, his consulting job brought him to England, where he ran into Curtis, an Engineer at a production facility in the West Midlands. Besides his professionally proven efforts in Lean Manufacturing, Curtis went to the University for higher education in Design Engineering, that being very impressive, considering that he also took amazing care of his family, with his wife Terry, his 10-year-old son Jason and his 4-year-old daughter Elin.

And although Curtis’ day also only had twenty-four hours, he still found time to go in Care Homes for the elderly to read to them, chat and give them a hint of dignity. He wanted to be a giving person as he knew what it felt having to fight from childhood on.

I met Curtis once briefly when I visited Mark in England. Despite the fact that it had only been a few minutes, I agreed with Mark that Curtis was one of these people we would always stay in contact with. A friendship was formed and grew. We stayed in contact over the years. Emails, phone-calls, Skype-sessions and steady teasing each other on Facebook. 

Then came August 2020. In the midst of a pandemic, lockdowns on both the continent and the island of Great Britain made it impossible to take our trip to visit Curtis and his family. However, he had hardly been on Facebook for a bit and our contact started to stagnate. Finally, we asked flat-out what was going on. We knew that we hadn’t done anything wrong, so it must have been something different. Something – probably – not very good. There was no other explanation for his seclusion.

The day came when Curtis started to explain… 

He was in the middle of a foster care battle for his niece, his brother’s 6-year-old kid Angela, close to the same age as his own daughter Elin. His brother had been sent to prison for two years for abusive behavior. The girl’s grandmother was not fit to take care of her, and the girl’s mother was more or less out of the picture. Curtis and his wife Terry were having viability checks, social care meetings, discussions with solicitors and social workers. All that with Damocles’ sword hanging over them that Curtis might lose his job through the Pandemic. On top of that, living settings had to be arranged, the house remodeled because Angela needed her own space after all she had gone through. She was a troubled kid.

Mark and I were stunned by these events and offered to help in any way possible. What we mainly could do was moral support in writing, calling and empowering conversations. Trying to understand each individual in this bizarre situation, which you normally only read about in the newspaper. Since our trips to England and the USA had fallen through due to the Virus, we were able to help support them financially to get the housing adjustments put in place just in time for Angela to move in with the family. It was harder than we thought, as – apparently – it is not allowed to just send friends money without having to explain to ‘who knows what’ the money is for and where it came from. The mistrust goes down from top to bottom. One wonders why,… 

It is a long, troubled and bumpy road this family had taken upon themselves with little and sometimes even no support of the official authorities except for one very supporting judge, whom Curtis has written several times and who he keeps informed about every step on this life changing journey for everyone involved.

The couple now have a third, sweet but troubled child who needs more attention than their own kids to cope with growing up and fighting her own demons. Their kids got a ‘sister’ out of nowhere and have to deal with difficult situations with and about her. Their whole existence has altered into a more stressful everyday life, with Curtis since actually having lost his job, his brother being out of prison in the meantime – demanding his rights for the child, despite a restraining order (no contact whatsoever).

All of our own little problems became smaller with every bit of information. After sending the kids a few presents for Christmas we got a video of the two little girls thanking us and great pics from Jason wearing his soccer shirt of his favorite team. Our best gifts ever.

We feel humbled to be part of this journey of a compassionate family that tries to do the right thing – to give an unsettled little girl the chance for a decent life.

Curtis’ and Terry’s own kids are afforded a priceless life lesson which cannot be acknowledged even yet – but these are the real-life ‘stories’ that give hope to mankind.


… eine junge Familie, die für das Richtige kämpft.

Wie wir Teil einer Geschichte wurden, die unsere gesamte Lebenseinstellung veränderte.

Mein Mann Mark war über 25 Jahre lang ein Problemlöser für verschiedene Unternehmen in Schwierigkeiten auf der ganzen Welt. Vor einigen Jahren brachte ihn sein Beratungsjob nach England, wo er Curtis traf, einen Ingenieur in einer Produktionsfabrik in den West Midlands. Neben seinen professionell nachgewiesenen Bemühungen im Bereich Lean Manufacturing, ging Curtis an die Universität, um eine höhere Ausbildung in Design Engineering zu absolvieren. Dies war sehr beeindruckend, da er sich auch fürsorglich um seine Frau Terry, um seinen 10-jährigen Sohn Jason und seine 4-jährige Tochter Elin kümmerte.

Und obwohl Curtis ‚Tag auch nur vierundzwanzig Stunden hatte, fand er dennoch Zeit, in Pflegeheime zu gehen, um älteren Menschen vorlesen, sie zu unterhalten und ihnen einen Hauch von Würde geben zu können. Er wollte einfach geben, da er wusste, wie es sich anfühlte, von Kindheit an kämpfen zu müssen.

Ich habe Curtis einmal kurz getroffen, als ich Mark in England besuchte. Trotz der Tatsache, dass es nur ein paar Minuten waren, stimmte ich Mark zu, dass Curtis einer dieser Menschen war, mit denen wir immer in Kontakt bleiben würden. Eine Freundschaft entstand und wuchs. Wir sind über die Jahre in Kontakt geblieben. E-Mails, Telefonanrufe, Skype-Gespräche und ständiges Necken auf Facebook.

Dann kam August 2020. Inmitten einer Pandemie machten es Lockdowns, sowohl auf dem Kontinent als auch auf der Insel Großbritannien, unmöglich, unsere Reise zu Curtis und seiner Familie zu unternehmen. Er war jedoch seit einiger Zeit kaum auf Facebook und unser Kontakt begann zu stagnieren. Schließlich fragten wir ganz direkt nach, was los sei. Wir wussten, dass wir nichts falsch gemacht hatten, also muss es etwas anderes sein. Etwas – wahrscheinlich – nicht sehr Gutes. Es gab keine andere Erklärung für seine Zurückhaltung.

Der Tag kam, an dem Curtis anfing, zu erzählen.

Er befand sich mitten in einem Kampf für das Sorgerecht seiner Nichte Angela, das 6-jährige Kind seines Bruders, fast so alt wie seine eigene Tochter Elin. Sein Bruder war wegen missbräuchlichen Verhaltens für zwei Jahre ins Gefängnis gesteckt worden. Die Großmutter des Mädchens war nicht in der Lage, sich um sie zu kümmern, und die Mutter des Mädchens war mehr oder weniger nicht auffindbar. Curtis und seine Frau Terry hatten Überprüfungen bezüglich Unterhalt und eigene Gesundheit, Treffen mit Sozialfürsorge, Gespräche mit Anwälten und Sozialarbeitern. All das, das Damoklesschwert über ihnen hängend, dass Curtis durch die Pandemie seinen Job verlieren könnte. Darüber hinaus musste das Haus umgebaut werden, da Angela nach allem, was sie durchgemacht hatte, ihren eigenen Raum brauchte. Sie war ein zerrüttetes Kind.

Mark und ich waren von diesen Ereignissen fassungslos und boten an, auf jede mögliche Weise zu helfen. Was wir hauptsächlich tun konnten, war moralische Unterstützung durch Schreiben, Anrufe und aufbauende Gespräche. Der Versuch, jeden Einzelnen in dieser bizarren Situation zu verstehen, worüber die man normalerweise nur in der Zeitung liest. Da unsere Reisen nach England und in die USA aufgrund des Virus gescheitert waren, konnten wir helfen, sie finanziell zu unterstützen, damit die Hausanpassungen rechtzeitig vorgenommen werden und Angela bei der Familie einziehen konnte. Das war schwieriger als wir dachten, da es – anscheinend – nicht erlaubt ist, Freunden Geld zu schicken, ohne erklären zu müssen, wofür das Geld ist und woher es kommt. Das Misstrauen geht von oben nach unten. Man wundert sich warum, …

Es ist ein langer, unruhiger und steiniger Weg, den diese Familie mit wenig und manchmal sogar ohne Unterstützung der offiziellen Behörden auf sich genommen hat, mit Ausnahme eines sehr unterstützenden Richters, dem Curtis mehrmals geschrieben hat und den er über jeden Schritt in diesem sich veränderten Leben für alle Beteiligten auf dem Laufenden hält.

Das Paar hat jetzt ein drittes, liebes, aber zerrüttetes Kind, das mehr Aufmerksamkeit braucht als seine eigenen Kinder, um mit dem Aufwachsen und dem Kampf gegen ihre eigenen Dämonen fertig zu werden. Ihre Kinder haben aus dem Nichts eine „Schwester“ bekommen und müssen sich mit schwierigen Situationen mit und um sie auseinandersetzen. Ihre gesamte Existenz hat sich in einen stressigeren Alltag verwandelt. Curtis hat seinen Job tatsächlich verloren, sein Bruder ist inzwischen aus dem Gefängnis entlassen worden und fordert trotz einer einstweiligen Verfügung (keinerlei Kontakt jeglicher Art) seine Rechte für das Kind.

Alle unsere eigenen kleinen Probleme wurden mit jeder Information kleiner. Nachdem wir den Kindern ein paar Geschenke zu Weihnachten geschickt hatten, bekamen wir ein Video von den beiden kleinen Mädchen, die sich bei uns bedankten, und tolle Bilder von Jason, der sein Fußballtrikot seiner Lieblingsmannschaft trug. Eines der besten Geschenke überhaupt.

Wir fühlen Demut, Teil dieser Reise einer mitfühlenden Familie zu sein, die versucht, das Richtige zu tun – einem verunsicherten kleinen Mädchen die Chance auf ein anständiges Leben zu geben.

Curtis und Terrys eigene Kinder erhalten eine unbezahlbare Lektion fürs Leben, die noch nicht einmal erkannt werden kann – aber dies sind die realen „Geschichten“, die der Menschheit Hoffnung geben.

… ein noch ungeborenes Mädchen.

Wie mich ein kleines Kind, ohne es zu ahnen, in seinen Bann zog.

Es war im Frühjahr 2015 als ich auf Grund verschiedener Umstände meine langjährigste Freundin endlich wieder einmal besuchte. Wir kannten uns zu dieser Zeit seit mehr als fünfundreißig Jahren und waren in der Schulzeit durch dick und dünn gegangen. 

Sie war die geborene, erfolgreiche Karrierefrau – mit Herz. Sie hat mir oft aus der Patsche geholfen, weil sie besser erklären konnte als so mancher Lehrer. Wir waren wirklich eng befreundet, von den Tagen an als wir Küken auf dem Bauernhof ihrer Eltern zählten bis über viele, viele Jahre hinweg, uns nicht immer sehend, aber immer in Kontakt bleibend. 

2009 überraschte sie mich mit einem E-mail. Sie schickte mir Fotos von sich und ihrem neugeborenen Sohn. Ich war ganz weg. Ich wusste, dass sie nach einer schweren Zeit wieder eine neue Beziehung hatte, aber da ich in dieser Zeit viel in den Staaten war, war ich nicht am Puls der Zeit. 

Marlies hatte also einen Sohn. Unfassbar. Äußerst schwere Geburt. Sie von allen war die, die immer gesagt hatte, dass sie keine Kinder haben würde. So schnell kann es gehen. Raphael war ein süßer ‚Knopf‘, den ich dann bald besuchte. Wir blieben nun wieder öfter in Kontakt und gezielter.

Anfang 2015 hatte sie sich eine Zeitlang nicht wohl gefühlt, war immer etwas anfällig für grippale Infekte, und so waren es einige Wochen, ja sogar ein paar Monate, in denen wir uns nicht gesehen hatten.

Schließlich besuchte ich sie aber wieder. Kuchen und Blumen zum Wiedersehen. Sie öffnete die Tür.

Marlies trug ein quergestreiftes oversized Shirt. So überhaupt nicht sie. Sie sah irgendwie anders aus. Als ob sie so 7-8 Kilo zugenommen hätte. War sie schwanger? Das bemerkte ich aber nur innerlich, nicht sprachlich. Wir plaudern ein bisschen und schließlich fragte sie:

Sag mal, fällt Dir nicht auf, dass ich wieder schwanger bin?“ 

Dann erzählte sie. Es war anfangs eine schwere Schwangerschaft gewesen. Knapp vierzig und nach der ersten schweren Geburt und einiger Begleitumstände wusste ihr Körper nicht, wie wohl der nächste Nachwuchs sich fühlen würde in der Entwicklung. Aber nun es war alles gut, sie war im 5. Monat der Schwangerschaft und der Geburtstermin war der 11. August. 

Wir plauderten weiter und dann meinte sie, dass sie eine Frage hätte. Ich war gespannt. Wollte sie mich fragen, ob ich Taufpatin werden wollte? Was wäre ja lieb… „Es ist mehr eine Bitte als eine Frage!“, erklärte sie dann. Gespannter geht gar nicht…

Würdest Du bei der Geburt dabei sein?“ 

WOW! Ich war absolut geschockt – mit Freude, Liebe, Ehre und unglaublichem Vertrauen ausgestattet in derselben Sekunde dieser Bitte. Einfach nur überwältigt von dieser tiefen Freundschaft und sagte sofort ja. Wir umarmten uns, ich spürte das Mädchen sogar gegen die Bauchdecke klopfen, als wolle es mich begrüßen. Wir kircherten wie damals, als kleine Mädchen, besprachen alles und nichts und trotzdem konnte uns nicht bremsen. 

Für die nächsten 3-4 Monate war auch die Namensfindung ein Thema. Alle in der Familie hatten Namen mit 7 Buchstaben: Michael, Marlies, Raphael und … ich überlegte. Es soll ein Name sein, der lieb ist und gut abzukürzen, ohne dass es komisch klingt. 

3. Juli – ich erinnere mich genau. Ein Tag nach Marlies’ Geburtstag schrieb ich ihr meinen favorisierten Namen für „mein Mäderl“: Liliane – und Lily für die Kindheitstage.

Als am 13. August dann der Anruf kam, mich bitte im Sanatorium einzufinden, da die Wehen eingesetzt hätten, war alles irgendwie ‚ganz normal‘ für mich. Marlies‘ Mann war teilweise bei der ersten Geburt dabei, aber auf Grund der Schwere, wurde er damals gebeten, den Kreissaal zu verlassen. Ich war also auf alles vorbereitet. 

Die Geburt verlief extrem schnell. Ich hatte den Anruf um 17.03h erhalten und um 18.12h war das Mädchen auf der Welt. Ich schnitt die Nabelschnur durch, die Wassergeburt war top verlaufen. Das Schlimmste war vorüber. Mama und Baby gesund und wunderschön. Eine Erfahrung, ein Erlebnis und eine Verbindung, die mit nichts zu vergleichen ist, was ich bis dahin erlebt hatte. Zu alledem wurde ich auch noch zur Namensgeberin gekürt, als ich Marlies sagen hörte:

„Und? Wie heißt Du jetzt? Ich glaube, Du bist Liliane.“

Für mich war das einer der berührendsten Momente meines Lebens.


… a still unborn girl.

How a little child pulled me under its spell without realizing it.

It was in the spring of 2015 that, due to various circumstances, I finally visited my longest known friend again. We had known each other for more than thirty-five years at that time and had gone through thick and thin in school.

She was a born, successful career woman – with a heart. She has often bailed me out because she could explain better than many teachers. We were really close friends, from the days when we counted baby chicken on her parents‘ farm throughout many, many years, not always seeing each other, but always staying in contact.

In 2009 she surprised me with an e-mail. She sent me photos of herself and her newborn son. I was all stunned. I knew she was in a new relationship after a difficult time, but since I was in the States a lot during that time, I wasn’t up to date.

So Marlies had a son. Incomprehensible. Extremely difficult birth. Of all of them, she was the one who always said she would never have children. Well, it all can change fast. Raphael was a sweet ‚button‘ that I soon visited. We stayed in contact again, more often, more specifically.

Beginning of 2015 she hadn’t felt well for a while, was always a little prone to flu, and so it was a few weeks, even a couple of months, in which we had not seen each other.

Finally I visited her again. Cake and flowers for the get-together. She opened the door.

Marlies wore an oversized shirt with stripes. Not her style at all. She looked different somehow. As if she had gained 10-15 pounds. Was she pregnant? But I only noticed it internally, not outspoken. We chat a little and finally she asked:

„Tell me, don’t you notice that I’m pregnant again?“

Then she started to tell. It had been a difficult pregnancy at first. Being almost forty and after the first difficult birth and a few accompanying circumstances, her body did not know how well the next offspring would feel in development. But now it was all good, she was 5 months pregnant and the due date was August 11th.

We kept chatting and then she said she had a question. I was excited. Did she want to ask me if I wanted to be a godmother? How nice would that be … „It’s more of a request than a question!“, she then explained. It couldn’t be more exciting …

Would you be there for the birth?“

WOW! I was absolutely shocked – endowed with joy, love, honor and incredible trust in the very second of this request. Just overwhelmed by this deep friendship, I immediately said yes. We hugged, and I even felt the girl kicking as if she wanted to greet me. We chatted like we did back then, as little girls, discussing everything and nothing, and yet we couldn’t be stopped.

Finding a name was also an issue for the next 3-4 months. Everyone in the family had names with 7 letters: Michael, Marlies, Raphael and … I thought about it. It should be a name that is sweet and can be abbreviated well without sounding strange.

July 3rd – I remember exactly. One day after Marlies ’birthday, I wrote her my favorite name for“ my little girl „: Liliane – and Lily for childhood days.

When the call reached me on August 13th to please meet at the private hospital, since labor had started, everything was somehow ‚completely normal‘ for me. Marlies‘ husband was partly present at the first birth, but due to the severity, he was asked to leave the delivery room. So, I was prepared for anything.

The birth was extremely quick. I had received the call at 5:03 p.m. and at 6:12 p.m. the girl was born. I cut the umbilical cord; the water birth had gone very well. The worst was over. Mom and baby healthy and beautiful. An experience, an event and a connection that cannot be compared to anything I had experienced before. In addition to all of this, I was called the ‘name giving person’ when I heard Marlies say:

„And? What’s your name now? I think you are Liliane.“

For me it was one of the most touching moments of my life.