… ein kleiner Piep-Matz.

Wie wir einem Jungvogel einen guten Start ins Leben ermöglicht haben.

Auch schon in meiner frühen Teenagerzeit gab schwere Unwetter und Starkregen begleitet von Hagel. Wie Sommertage es so an sich haben. Wenn man in einem sicher und fest gebauten Haus aufwachsen darf, fällt das unter die Rubrik Abenteuer. Ich zumindest habe Gewitter immer geliebt. Je näher und je lauter, desto besser.

Natürlich kalkuliert man da die Gefahren, Überschwemmungen und individuellen Schicksale nicht mit ein. Aber anhand Lebens eines kleinen Vogeljungen habe ich gelernt, dass abenteuerliches Vergnügen und Desaster nahe beieinander liegen können. 

Es war also wieder einmal ein Sturm über mein Elternhaus hereingebrochen nach einem heißen Sommertag, Aufbau von Schwüle und mit Elektrizität geladenen Wolken. Blitz und Donner gaben sich sozusagen die Himmelstürklinken in die Hand und für mich war es einfach nur ein Schauspiel. Die Bäume bogen sich im starken Wind und ab und zu konnte man ein Krachen im Holz oder eines abbrechenden Astes hören. Noch grüne Blätter wurden durch die Luft gewirbelt, die Regentropfen fielen nicht nur auf den Boden, sondern wurden regelrecht auf die Erde gepeitscht. 

Am nächsten Morgen verging meine Freude – es hieß nun: Aufräumarbeiten. Abgebrochene Äste aufsammeln, Blumenbeete reparieren, Gemüsegarten wieder herrichten. Wir waren alle draußen und halfen zusammen. Neben des begleitenden Gemurmels im Gespräch mit Nachbarn und untereinander, hörte ich ein aufgeregtes Zwitschern und leises – wie soll ich sagen – Piepsen.

Ich konnte erst nicht feststellen, woher es kam. Neugierig begann ich zu recherchieren.

Dann bemerkte ich den Ursprung dieses Vogelstimmen-Austausches. Eine Buchfinkmutter fütterte ein Junges hinter dem Baumstamm unserer Silbertanne. Rund drei Meter entfernt war das zerstörte Nest auf dem Boden, wie viele Äste verschiedener Größe. Ich machte meinen Papa darauf aufmerksam und er verzog traurig das Gesicht. Ja, das Buchfinkennest war eben nicht so standhaft wie unser Haus aus Ziegel und Zement.

Ich war verzweifelt. Das junge Vogelbaby war noch so klein, dass es nicht fliegen konnte und auf dem Boden komplett ungeschützt. Berühren war verboten, weil sonst die Mutter möglichweise nicht mehr kommen würde, es zu füttern. Wir alle beratschlagten kurz die Situation. Da hatte mein Bruder eine tolle Idee – wir mussten das Junge ins Nest und das Nest in unser altes Meerschweinchen-Gehege bekommen, ohne das kleine Wesen zu berühren. 

Ganz behutsam nahm mein Vater ein paar größere Ahornblätter vom Boden und schaffe es, den Jungvogel ins Nest zu heben, das ihm mein Bruder hinhielt. Anschließend setzten wir das Nest samt Vogel in den kleinen ehemaligen Reisekäfig. Durch diese Gitterstäbe konnte die Mutter das Junge füttern – das war auf jeden Fall unsere Hoffnung.

Wir nahmen großen Abstand, aber in Observationsposition. Die Buchfinkmama brauchte ungefähr zehn Minuten, um durch ihr eigenes Rufen und die zittrigen Antworten des Kindes den neuen Standort ausfindig zu machen. Aber schlussendlich akzeptierte sie die neue Situation und nur kurze Zeit später begann sie das Junge zu füttern. Wir atmeten alle erleichtert auf. 

Noch erlöster waren wir, als wir am nächsten Tag feststellten, dass die Nachbarskatze vor dem Käfig Stellung genommen hatte, aber nichts Nesträuberisches ausrichten konnte.

Für eine gute Woche beobachteten wir die Situation sehr genau und sobald der Jungvogel flügge wurde, setzte mein Vater ihn auf einen Ast einer Erle und wir hofften alle, dass er weiter versorgt wurde. Wir wurden nicht enttäuscht. Mama Buchfink stellte sich auf diese Situation ein und unser Piep-Matz wuchs und gedieh, verlor seine Babyfedern und wurde erwachsen. 

Am letzten Tag, an dem ich ihn bewusst sah, legte er viele Meter von einem zum nächsten Ast, von diesem zum weiteren Baum fliegend zurück. Er hatte es geschafft, und ich war überglücklich.

Bei jedem Regen dachte ich nun an diesen kleinen Vogel, der meine Einstellung zu Wetterereignissen drastisch änderte.Vergnügung und trauriges Schicksal liegen oft sehr nah zusammen – nicht nur im Leben eines kleinen Vogels.


… there was a little birdie.

How we gave a young bird a good start into life.

Even back then in my early teenage years, there were severe storms and heavy rain accompanied by hail. Just like Summer days always have it. If you can grow up in a safe and solid house, that falls under the title of adventure. At least I’ve always loved thunderstorms. The closer and the louder, the better.

Of course, you don’t consider the dangers, floods, and individual fates. But from a little baby bird’s life I learned that adventurous pleasure and disaster can go hand in hand.

So, once again a storm had broken on top my parents‘ house after a hot summer day, a build-up of humidity and clouds charged with electricity. Lightning and thunder literally shook the gates of Heaven and for me it was just a spectacle. The trees bent in the strong wind and every now and then you could hear a crack in the wood or a branch breaking off. Leaves that were still green were whirled through the air, the raindrops not only fell on the ground, but were literally smashed onto the earth.

The next morning my joy passed – it was now time to clean up. Pick up broken branches, repair flower beds, restore the vegetable garden. We were all outside helping together. In addition to the accompanying murmur in conversation with neighbors and among each other, I heard an agitated chirping and soft – how should I put it – beeping.

At first, I couldn’t tell where it came from. Curiously, I began to search around.

Then I noticed the origin of this exchange of birdcalls. A mother chaffinch was feeding a young behind the trunk of our silver fir. About three meters away was the destroyed nest on the ground, just like many branches of various sizes. I pointed this out to my dad, and he grimaced sadly. Yes, the chaffinch nest wasn’t as firm as our brick and cement house.

I was desperate. The young baby bird was still so small that it couldn’t fly and was completely unprotected on the ground. Tocuhing was forbidden because otherwise the mother might not come back to feed it. We all briefly discussed the situation. My brother had a great idea – we had to put the young in the nest and the nest in our old guinea pig enclosure without touching the little creature.

My father carefully took a couple of larger maple leaves from the ground and managed to lift the young bird into the nest that my brother held out for him. Then we put the nest with the bird in the small former travel cage. The mother was able to feed the young through its bars – that was definitely our hope.

We our distance, but in observation position. It took the chaffinch mom about ten minutes to locate the new location through her own shouts and the shaky answers from the child. But in the end, she accepted the new situation and only a short time later began to feed the birdie. We all breathed a sigh of relief.

We were even more eased when we discovered the next day that the neighbors’ cat had taken position in front of the cage but couldn’t do anything to become a nest predator.

For a solid week we observed the situation very closely and as soon as the young bird fledged, my father put him on a branch of an alder, and we all hoped that he would continue to be looked after. We were not disappointed. Mama chaffinch adapted also to this situation and our birdie flourished and prospered, lost its baby feathers, and grew up.

On the last day that I saw him consciously, he covered many meters from one branch to the next, flying from this to the next tree. He had done it and I was overjoyed.

Every time it rained, I thought of this baby finch, which drastically changed my attitude towards weather events. Pleasure and sad fate are often very close together – and not just in the life of a little bird.

… eine andere Art des Verstehens.

Kleine Geste, gute Hilfe.

Irgendwann im Frühjahr 2014 hat mich ein Interesse eingeholt, mit dem ich schon längere Zeit innerlich befasst war. Hausarbeit stand auf dem Programm und ich hatte den Fernseher eingeschaltet. Es lief ein Film, der sich mit dem Thema Gehörlosigkeit und Gebärdensprache befasst. 

Das Erlernen dieser besonderen Sprache interessierte mich schon seit einiger Zeit, obwohl ich nie in eine Situation gekommen war, die dieses Interesse unmittelbar gerechtfertigt hätte. Das sollte sich bereits am darauffolgenden Tag ändern:

Ich hatte in der Stadt zu tun und war unter anderem in einem Postamt, wo ich ein Paket aufzugeben hatte. Nur ein Schalter war besetzt und ich war die dritte in der Warteschlange. Wie immer war ich ein wenig unter Zeitdruck, aber nicht genug, um mein Vorhaben abzubrechen. Endlich kam der junge Mann vor mir an die Reihe, und es schien von Anfang an Kommunikationsschwierigkeiten zu geben. 

Was war da los? Wusste er nicht, was er wollte? 

Meine Uhr hatte all meine Aufmerksamkeit. Ich versuche immer Abstand zu nehmen von den Angelegenheiten von anderen Kunden vor mir, wenn ich in einer Bank, Post oder einem Amt bin. Der junge Mann schien mit Händen und Füßen zu reden. Das erfasste dann doch meine Aufmerksamkeit mehr als die verrinnende Zeit. Vielleicht war er der deutschen Sprache nicht mächtig und eventuell konnte ich mit Englisch aushelfen? Da bin ich immer gerne bereit, unterstützend einzugreifen, wenn es nicht aufdringlich erscheint und hilft.

Ich weiß, wie schwer es manchmal ist, die richtigen Worte zu finden oder etwas zu vermitteln, wenn man etwas unbedingt ausdrücken will und einem der richtige Ausdruck oder das richtige Verb fehlt, dies zu tun. Man zieht sich dann gleich einmal zurück; Aufgeben und es irgendwie anders versuchen und ein anderes Mal ist oft die Folge. Nicht zu vergessen, die Enttäuschung über sich selbst und die eigenen Grenzen. 

Konnte ich also helfen?

Es stellte sich heraus, ich konnte es nicht. Ich realisierte, dass der junge Mann eine Sprache nutze, der ich nicht mächtig war. Die Gebärdensprache. Da stand ich nun – hilflos. Hilfloser als er, da mich das Schicksal dieses Menschen irgendwie persönlich traf. Einen Tag davor noch sah ich diesen Film und dachte mir, wie interessant es wäre, diese Sprache zu erlernen. Ich sah mich um? War jemand hier der Gebärdensprache mächtig? 

Allen Mut zusammennehmend fragte ich in die Warteschlange: “Spricht jemand hier die Gebärdensprache?

Da sah die Postangestellte zu mir, und sie hatte einen Anflug von Erleichterung im Gesicht. Sie bat den jungen Mann mit einer Handbewegung, wie man jeden kommunizierenden Menschen auffordert, zu warten. Nicht einmal eine Minute später kehrte sie mit einer Kollegin zurück und diese sprach die Sprache des Gehörlosen. 

Ich war innerlich bewegt, erleichtert, dass geholfen werden konnte. Irgendwie war ich froh, dass ich diese Zivilcourage aufgebracht hatte, diese Frage laut auszusprechen. Außerdem fasste ich in diesem Moment den Entschluss diese Sprache lernen zu wollen, und zwar auf Deutsch und Englisch. 

Am selben Nachmittag begann ich mit allerlei Recherchen, las mich in das Thema ein über die Gebärdensprache, über Gehörlosigkeit, über die Schwierigkeiten wegen Gehörminderung, die von Geburt an besteht, überhaupt sprechen zu lernen. Ich involvierte meine Familie und auch eine liebe Nachbarin, die in ihrem Studium mit dem Erlernen der Gebärdensprache befasst war.

Sie verhalf mir zu einem tollen Buch („Der Schrei der Möwe“ von Emmanuelle Laborit). Es sollte nicht das einzige Buch bleiben, das ich in diesem Zusammenhang kaufte. Dazu kamen Bücher über die Deutsche und die Amerikanische Gebärdensprache, DVDs; ich lud mir Apps auf mein Smartphone, mein Tablet und meinen Laptop, die mit Videos helfen, die Gesten richtig zu machen. Ich erlernte das internationale Alphabet und der beste Weg, dies zu tun, ist vor dem Spiegel, um die Gesten ‚live’ zu beobachten.

Ich wollte noch im Herbst mit meinem Studium beginnen. Selbst in einer Universität von Colorado/USA bin ich registriert, um irgendwann mit einem Fernstudium beginnen zu können.

Mir kam dann im Jahr 2014 einiges ‚dazwischen’. Privater Natur. Beruflicher Natur. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis ich mich diesem Thema intensiver widmen würde.

Wenn man eine andere Sprache nicht spricht, kann man sich noch immer mit Gesten, Wortfetzen und sanften, lauten, bestimmenden, beschaulichen Tonlagen in der Stimme weiterhelfen, um jemandem beizustehen, ein Problem zu lösen. Bei gehörlosen Menschen fällt das komplett weg.

Auch wenn ich dieses Studium offiziell nie begonnen habe, da sich Lebenswege anders kreuzten, als ich es geplant hatte, so lehre ich mich selbst immer wieder mit der einen oder anderen Geste und häufigen Zeichen.

Vielleicht kann ich für irgendjemand einmal einen positiven Unterschied machen.


… there was another way of understanding.

Little gesture, good help.

Sometime during the spring of 2014, a long-time interest of mine caught up with me which I had engaged myself for quite a while. Housework had to be done and I had the TV on in the background. There was a movie that concerned itself with the subject of acquired deafness and Sign Language.

For some time, I had been interested to learn this specific language, although I never had been in a situation, whichwould have justified this immediate interest. This would change the very next day:

I had to run several errands in the city, and among them I went to the Post Office where I wanted to mail a package. There was only one counter open and I was third in line. As always I was a bit time constraint, but not enough to cancel my endeavor. Finally it was the turn of the young man ahead of me – and from the very beginning it seemed that there was some kind of communication problem.

What was going on? Didn’t he know what he wanted?

My watch had my full attention. I always try to keep my distance from the business of a client ahead of me when I am in a bank, a Post- or some other office. The young guy seemed to talk with his hands and legs – which finally drew my attention more than the passing time. Maybe he didn’t know German and I could help with English? I am always glad to step in to support if it helps – and I don’t appear pushy.

I know how difficult it is sometimes to convey a message, trying to find the right word or verb to express exactly what you want. It is easy to back out in situations like this, which end up more often than not in giving-up or trying things differently another time, not to forget the disappointment about yourself and your very own limits.

So – could I help?

As it turned out, I couldn’t. I realized that the young man used a language I was not able to offer. Sign Language. Here I was standing – helpless – even more helpless than him because he knew about his fate, which somehow touched me personally. Just the day before I had seen that movie and was thinking how interesting it would be to learn this language. I looked around. Could anybody speak Sign Language?

I gathered all my courage and asked out loud into the waiting crowd: „Does anybody know Sign Language?

The girl from the Post Office looked up to me and I could see a hint of relief in her face. She asked her client to wait a moment, using a gesture how all communicating people do. Less than a minute later she returned with a colleague of hers who actually spoke Sign Language. 

I was touched, relieved that there was help. Somehow, I was happy that I had taken this little bit of courage to ask that question out loud. In this very moment I came to a decision: I want to learn this language, both in German as well as English. 

The same afternoon I started various kinds of research, started to read more specifics about Sign Language, deafness, and about difficulties of Hearing Impairment from birth onto even being able to learn to speak. I involved my family and a very nice neighbor who had learned Sign Language during her time in college.

She was the one to get me a great book („The Caw of the Seagull“ by Emmanuelle Laborit). It wouldn’t remain the only book that I purchased concerning this subject. Added were books about German and American Sign Language, DVDs, I downloaded apps on my smartphone, my tablet as well as on my laptop, which help to do the ‘gestures’ correctly. I learned the international alphabet – and the best way to do so is in front of a mirror watching your gestures ‚live‘.

I wanted to start at the University that same fall. I even registered myself at a college in Colorado/USA to start an online study in the future.

The year 2014, however, had some surprises for me – of private nature as well as job-related. But it was only a question of time until I would dedicate myself more intensively to this subject. 

If you don’t speak different languages, you can still help yourself with gestures, parts of words and smooth, loud, firm, contemplative sound pitches in your voice to support someone to solve a situation. Yet, with strongly hearing impaired or deaf people this fails completely. 

Even though I have never officially started this Uni-course because life paths crossed differently than I had planned, I keep on teaching myself the one or the other gesture and frequent signs.

Maybe I can make a positive difference for someone someday.

… ein kleines Schwarzes.

Eindeutig eine Frauengeschichte.

Da stand ich nun. Mit der Nase zwar nicht an die Fensterscheibe gedrückt mit meinem 22 Jahren, aber viel fehlte nicht. Meine Augen sondierten die Auslage dieses für mich damals sündteuren Geschäftes und fanden das Objekt meiner Begierde nicht mehr. Diese Tatsache versetzte mir dieses schmerzvolle Gefühl eines soeben emotional erlittenen Magenstrudels.

War ich zu spät? Jetzt, wo ich mich endlich durchgerungen hatte, nicht nur das Geld aufzubringen, sondern auch die Courage, diesen ‚Store‘ überhaupt zu betreten, um mir einen Wunsch, ja Traum zu erfüllen? 

Das konnte nicht sein. Ich wollte es nicht glauben. Plötzlich erhaschte mich meine eigene Mimik im Spiegelbild des Schaufensters. Ich ertappte mich dabei, wie ich mir auf die Unterlippe biss. Reingard, das ist wieder mal so typisch!

Zu lange gewartet. Gelegenheit vertan. Wunschtraum aufgelöst. 

Aber so konnte ich diese gesamt geballte Mutansammlung der letzten vierzehn Tage auch nicht einfach verpulvern. Ich ballte meine Fäuste, überwand meine letzte Phobie, nicht als Kundin in dieses Geschäft zu passen, und trat durch die Tür.

Eine nette, sehr schlanke blonde Dame fragte nach meinen Wünschen.

„Wenn die wüsste!“, dachte ich nur. Schließlich beschrieb ich ihr dieses immens großartige, schnörkellose, einfach perfekte, kleine schwarze Kleid, das vor Kurzem noch in der Auslage gewesen war. Sie fragte mich, welches Fenster es war und ging schnurstracks zu meinem kleinen Schwarzen und nahm es samt Kleiderbügel, um es mir zu geben. Ich berührte den Stoff. Himmlisch. 

Die Verkäuferin zeigte mir die Umkleidekabine, und ich verschwand darin mit nur einer Hoffnung – dieses Kleid musste einfach passen! Und es passte.

Es war damals meine teuerste je getane Ausgabe, konnte es mir eigentlich nicht leisten und war einfach nur glücklich.

Wie lange dieses Glück hielt? 

Nun, abends zeigte ich es stolz meiner Mama, und sie bot an, es vor dem ersten Tragen im Feinwäscheprogramm zu waschen. Ich wies darauf hin, dass es nur per Hand gewaschen werden sollte. Sie überzeugte mich, dass es nicht notwendig sei – sie wusch alles Feine, auch ihren Seidenpulli mit diesem Programm.

Also gut. Das Kleid ging in die Feinwäsche – leicht und schön fallender Stoff, der mich schweben ließ. Heraus kam ein nasser harter unbeweglicher Brocken schwarzen Gewebes. Steif wie ein Brett und eingegangen bis auf zwei Drittel der originalen Länge und ein Drittel der Breite des Kleides.

Ich war sprachlos mit Tränen in den Augen. Ärger, Wut, Verzweiflung breiteten sich aus. Eine der seltenen echten Auseinandersetzungen mit meiner Mama. Ich war am Boden zerstört. Trotzdem versuchte sie mich zu beruhigen. Ich sollte einmal abwarten, bis das Kleid trocken war. 

Was sollte ich da denn abwarten? Dass ich es wie ein Holzscheit auf’s Feuer zum Verbrennen legen kann? Und den Geldbetrag, den ich sozusagen den Waschmaschinenabfluss hinuntergespült hatte gleich noch obendrauf aus Anzündhilfe? 

Ich wollte es nicht mehr sehen. Es dauerte gezählte drei Tage, bis das Kleid trocken war. Aber nach diesen drei Tagen kam meine Mama zu mir ins Zimmer und bewegte das Kleid, bügelfrei und trotzdem glatt und schwungvoll schön, duftig und sauber bei der Tür herein. 

Das Material hatte sich komplett zur Normalität gewandelt und erstrahlte im buntesten Schwarz, das ich je gesehen hatte.

Ich umarmte meine Mama, entschuldigte mich für meine Auswüchse der Verzweiflung der vergangenen Tage, und dass ich ihr nicht vertraut hatte. Sie und das Kleid umarmend, lernte ich, dass man nicht immer gleich verzweifeln musste, wenn etwas vermeintlich schiefgelaufen war, Geduld ein wichtiger Faktor im Verständnis von Prozessen war und ich jedenfalls jederzeit gute Figur ein meinem ersten kleinen Schwarzen machen würde. 

Es hängt nach wie vor in meinem Kleiderschrank und hat mir schon viel Freude bereitet. Jedes Mal, wenn ich es mit dem Feinwaschgang meiner eigenen Maschine gewaschen hatte, lächelte ich über die mädchenhafte Verzweiflung von damals, und wie weit ich seitdem gekommen war – in der Einschätzung materieller Wichtigkeit und tatsächlicher Werte.

Ach ja, und Mut wird belohnt.


… there was a little black dress.

Clearly a women’s story.

There I stood now. With my nose not pressed against the window at the age of 22, but not by much. My eyes examined the display of this for me very expensive business at the time and no longer found the object of my desire. This fact gave me the painful feeling of a gastric vortex that I had just suffered emotionally. 

Was I too late? Now that I had finally made up my mind not only to raise the money, but also the courage to even enter this store in order to fulfill a wish, even a dream?

It couldn’t be. I didn’t want to believe it. Suddenly I caught my own facial expression in the reflection of the shop window. I caught myself biting my lower lip. Reingard, that’s so typical. Again.

Waited too long. Missed opportunity. A dream just vanished.

But I couldn’t just waste all of this accumulation of courage over the past fourteen days that way. I clenched my fists, overcame my last phobia of not being a fitting customer of this shop, and stepped through the door.

A nice, very slim blonde lady asked how to help me.

“If only she knew!”, I just thought. Finally, I described that immensely magnificent without frills simply perfect little black dress that had recently been on display. She asked me which window it has been and went straight to my little black dress and took it to give it to me. I touched the fabric. Heavenly.

The saleswoman showed me the changing room, and I disappeared into it with only one hope – this dress just had to fit! And it did.

It was my most posh expense at the time, I couldn’t actually afford it and was just happy.

How long this happiness lasted? 

In the evening, I proudly showed it to my mom, and she offered to wash it in the delicate cycle before wearing it for the first time. I pointed out that it should only be hand washed. She convinced me that that wasn’t necessary – she washed everything fine, including her silk sweater, with this program.

All right then. The dress went into the delicate wash – light and beautifully falling fabric that made me float. The result was a wet, hard, immobile chunk of black tissue. Stiff as a board and shrunk to two thirds of the original length of the dress.

I was speechless with tears in my eyes. Anger, rage, and despair spread. One of the rare real arguments with my mom. I was devastated. Still, she tried to calm me down. I should wait until the dress was dry.

What should I wait there? That I can put it on the fire like a log to burn? And the amount of money that I had washed down the washing machine drain, so to speak, on top of that for lighting aid?

I didn’t want to see it anymore. It took a counted three days for the dress to dry. After these three days my mom came into my room and presented the dress, non-ironed, yet smooth and swinging, beautiful, fragrant and clean, through the door.

The material had completely changed to normal and shone in the most colorful black that I had ever seen.

I hugged my mom, apologizing for my excesses of desperation over the past few days and for not trusting her. Hugging her and the dress, I learned that you don’t always have to get desperate when something supposedly went wrong, that patience was an important factor in understanding processes and that I would always look good in my first little black dress.

It’s still hanging in my closet and has given me a lot of pleasure. Every time I washed it on my own machine’s delicate cycle, I smiled at the girlish desperation from back then and how far I’d come since then – in assessing material importance and actual values.

Oh yeah, and courage does pay off.