… ein kleiner Piep-Matz.

Wie wir einem Jungvogel einen guten Start ins Leben ermöglicht haben.

Auch schon in meiner frühen Teenagerzeit gab schwere Unwetter und Starkregen begleitet von Hagel. Wie Sommertage es so an sich haben. Wenn man in einem sicher und fest gebauten Haus aufwachsen darf, fällt das unter die Rubrik Abenteuer. Ich zumindest habe Gewitter immer geliebt. Je näher und je lauter, desto besser.

Natürlich kalkuliert man da die Gefahren, Überschwemmungen und individuellen Schicksale nicht mit ein. Aber anhand Lebens eines kleinen Vogeljungen habe ich gelernt, dass abenteuerliches Vergnügen und Desaster nahe beieinander liegen können. 

Es war also wieder einmal ein Sturm über mein Elternhaus hereingebrochen nach einem heißen Sommertag, Aufbau von Schwüle und mit Elektrizität geladenen Wolken. Blitz und Donner gaben sich sozusagen die Himmelstürklinken in die Hand und für mich war es einfach nur ein Schauspiel. Die Bäume bogen sich im starken Wind und ab und zu konnte man ein Krachen im Holz oder eines abbrechenden Astes hören. Noch grüne Blätter wurden durch die Luft gewirbelt, die Regentropfen fielen nicht nur auf den Boden, sondern wurden regelrecht auf die Erde gepeitscht. 

Am nächsten Morgen verging meine Freude – es hieß nun: Aufräumarbeiten. Abgebrochene Äste aufsammeln, Blumenbeete reparieren, Gemüsegarten wieder herrichten. Wir waren alle draußen und halfen zusammen. Neben des begleitenden Gemurmels im Gespräch mit Nachbarn und untereinander, hörte ich ein aufgeregtes Zwitschern und leises – wie soll ich sagen – Piepsen.

Ich konnte erst nicht feststellen, woher es kam. Neugierig begann ich zu recherchieren.

Dann bemerkte ich den Ursprung dieses Vogelstimmen-Austausches. Eine Buchfinkmutter fütterte ein Junges hinter dem Baumstamm unserer Silbertanne. Rund drei Meter entfernt war das zerstörte Nest auf dem Boden, wie viele Äste verschiedener Größe. Ich machte meinen Papa darauf aufmerksam und er verzog traurig das Gesicht. Ja, das Buchfinkennest war eben nicht so standhaft wie unser Haus aus Ziegel und Zement.

Ich war verzweifelt. Das junge Vogelbaby war noch so klein, dass es nicht fliegen konnte und auf dem Boden komplett ungeschützt. Berühren war verboten, weil sonst die Mutter möglichweise nicht mehr kommen würde, es zu füttern. Wir alle beratschlagten kurz die Situation. Da hatte mein Bruder eine tolle Idee – wir mussten das Junge ins Nest und das Nest in unser altes Meerschweinchen-Gehege bekommen, ohne das kleine Wesen zu berühren. 

Ganz behutsam nahm mein Vater ein paar größere Ahornblätter vom Boden und schaffe es, den Jungvogel ins Nest zu heben, das ihm mein Bruder hinhielt. Anschließend setzten wir das Nest samt Vogel in den kleinen ehemaligen Reisekäfig. Durch diese Gitterstäbe konnte die Mutter das Junge füttern – das war auf jeden Fall unsere Hoffnung.

Wir nahmen großen Abstand, aber in Observationsposition. Die Buchfinkmama brauchte ungefähr zehn Minuten, um durch ihr eigenes Rufen und die zittrigen Antworten des Kindes den neuen Standort ausfindig zu machen. Aber schlussendlich akzeptierte sie die neue Situation und nur kurze Zeit später begann sie das Junge zu füttern. Wir atmeten alle erleichtert auf. 

Noch erlöster waren wir, als wir am nächsten Tag feststellten, dass die Nachbarskatze vor dem Käfig Stellung genommen hatte, aber nichts Nesträuberisches ausrichten konnte.

Für eine gute Woche beobachteten wir die Situation sehr genau und sobald der Jungvogel flügge wurde, setzte mein Vater ihn auf einen Ast einer Erle und wir hofften alle, dass er weiter versorgt wurde. Wir wurden nicht enttäuscht. Mama Buchfink stellte sich auf diese Situation ein und unser Piep-Matz wuchs und gedieh, verlor seine Babyfedern und wurde erwachsen. 

Am letzten Tag, an dem ich ihn bewusst sah, legte er viele Meter von einem zum nächsten Ast, von diesem zum weiteren Baum fliegend zurück. Er hatte es geschafft, und ich war überglücklich.

Bei jedem Regen dachte ich nun an diesen kleinen Vogel, der meine Einstellung zu Wetterereignissen drastisch änderte.Vergnügung und trauriges Schicksal liegen oft sehr nah zusammen – nicht nur im Leben eines kleinen Vogels.


… there was a little birdie.

How we gave a young bird a good start into life.

Even back then in my early teenage years, there were severe storms and heavy rain accompanied by hail. Just like Summer days always have it. If you can grow up in a safe and solid house, that falls under the title of adventure. At least I’ve always loved thunderstorms. The closer and the louder, the better.

Of course, you don’t consider the dangers, floods, and individual fates. But from a little baby bird’s life I learned that adventurous pleasure and disaster can go hand in hand.

So, once again a storm had broken on top my parents‘ house after a hot summer day, a build-up of humidity and clouds charged with electricity. Lightning and thunder literally shook the gates of Heaven and for me it was just a spectacle. The trees bent in the strong wind and every now and then you could hear a crack in the wood or a branch breaking off. Leaves that were still green were whirled through the air, the raindrops not only fell on the ground, but were literally smashed onto the earth.

The next morning my joy passed – it was now time to clean up. Pick up broken branches, repair flower beds, restore the vegetable garden. We were all outside helping together. In addition to the accompanying murmur in conversation with neighbors and among each other, I heard an agitated chirping and soft – how should I put it – beeping.

At first, I couldn’t tell where it came from. Curiously, I began to search around.

Then I noticed the origin of this exchange of birdcalls. A mother chaffinch was feeding a young behind the trunk of our silver fir. About three meters away was the destroyed nest on the ground, just like many branches of various sizes. I pointed this out to my dad, and he grimaced sadly. Yes, the chaffinch nest wasn’t as firm as our brick and cement house.

I was desperate. The young baby bird was still so small that it couldn’t fly and was completely unprotected on the ground. Tocuhing was forbidden because otherwise the mother might not come back to feed it. We all briefly discussed the situation. My brother had a great idea – we had to put the young in the nest and the nest in our old guinea pig enclosure without touching the little creature.

My father carefully took a couple of larger maple leaves from the ground and managed to lift the young bird into the nest that my brother held out for him. Then we put the nest with the bird in the small former travel cage. The mother was able to feed the young through its bars – that was definitely our hope.

We our distance, but in observation position. It took the chaffinch mom about ten minutes to locate the new location through her own shouts and the shaky answers from the child. But in the end, she accepted the new situation and only a short time later began to feed the birdie. We all breathed a sigh of relief.

We were even more eased when we discovered the next day that the neighbors’ cat had taken position in front of the cage but couldn’t do anything to become a nest predator.

For a solid week we observed the situation very closely and as soon as the young bird fledged, my father put him on a branch of an alder, and we all hoped that he would continue to be looked after. We were not disappointed. Mama chaffinch adapted also to this situation and our birdie flourished and prospered, lost its baby feathers, and grew up.

On the last day that I saw him consciously, he covered many meters from one branch to the next, flying from this to the next tree. He had done it and I was overjoyed.

Every time it rained, I thought of this baby finch, which drastically changed my attitude towards weather events. Pleasure and sad fate are often very close together – and not just in the life of a little bird.

… eine andere Art des Verstehens.

Kleine Geste, gute Hilfe.

Irgendwann im Frühjahr 2014 hat mich ein Interesse eingeholt, mit dem ich schon längere Zeit innerlich befasst war. Hausarbeit stand auf dem Programm und ich hatte den Fernseher eingeschaltet. Es lief ein Film, der sich mit dem Thema Gehörlosigkeit und Gebärdensprache befasst. 

Das Erlernen dieser besonderen Sprache interessierte mich schon seit einiger Zeit, obwohl ich nie in eine Situation gekommen war, die dieses Interesse unmittelbar gerechtfertigt hätte. Das sollte sich bereits am darauffolgenden Tag ändern:

Ich hatte in der Stadt zu tun und war unter anderem in einem Postamt, wo ich ein Paket aufzugeben hatte. Nur ein Schalter war besetzt und ich war die dritte in der Warteschlange. Wie immer war ich ein wenig unter Zeitdruck, aber nicht genug, um mein Vorhaben abzubrechen. Endlich kam der junge Mann vor mir an die Reihe, und es schien von Anfang an Kommunikationsschwierigkeiten zu geben. 

Was war da los? Wusste er nicht, was er wollte? 

Meine Uhr hatte all meine Aufmerksamkeit. Ich versuche immer Abstand zu nehmen von den Angelegenheiten von anderen Kunden vor mir, wenn ich in einer Bank, Post oder einem Amt bin. Der junge Mann schien mit Händen und Füßen zu reden. Das erfasste dann doch meine Aufmerksamkeit mehr als die verrinnende Zeit. Vielleicht war er der deutschen Sprache nicht mächtig und eventuell konnte ich mit Englisch aushelfen? Da bin ich immer gerne bereit, unterstützend einzugreifen, wenn es nicht aufdringlich erscheint und hilft.

Ich weiß, wie schwer es manchmal ist, die richtigen Worte zu finden oder etwas zu vermitteln, wenn man etwas unbedingt ausdrücken will und einem der richtige Ausdruck oder das richtige Verb fehlt, dies zu tun. Man zieht sich dann gleich einmal zurück; Aufgeben und es irgendwie anders versuchen und ein anderes Mal ist oft die Folge. Nicht zu vergessen, die Enttäuschung über sich selbst und die eigenen Grenzen. 

Konnte ich also helfen?

Es stellte sich heraus, ich konnte es nicht. Ich realisierte, dass der junge Mann eine Sprache nutze, der ich nicht mächtig war. Die Gebärdensprache. Da stand ich nun – hilflos. Hilfloser als er, da mich das Schicksal dieses Menschen irgendwie persönlich traf. Einen Tag davor noch sah ich diesen Film und dachte mir, wie interessant es wäre, diese Sprache zu erlernen. Ich sah mich um? War jemand hier der Gebärdensprache mächtig? 

Allen Mut zusammennehmend fragte ich in die Warteschlange: “Spricht jemand hier die Gebärdensprache?

Da sah die Postangestellte zu mir, und sie hatte einen Anflug von Erleichterung im Gesicht. Sie bat den jungen Mann mit einer Handbewegung, wie man jeden kommunizierenden Menschen auffordert, zu warten. Nicht einmal eine Minute später kehrte sie mit einer Kollegin zurück und diese sprach die Sprache des Gehörlosen. 

Ich war innerlich bewegt, erleichtert, dass geholfen werden konnte. Irgendwie war ich froh, dass ich diese Zivilcourage aufgebracht hatte, diese Frage laut auszusprechen. Außerdem fasste ich in diesem Moment den Entschluss diese Sprache lernen zu wollen, und zwar auf Deutsch und Englisch. 

Am selben Nachmittag begann ich mit allerlei Recherchen, las mich in das Thema ein über die Gebärdensprache, über Gehörlosigkeit, über die Schwierigkeiten wegen Gehörminderung, die von Geburt an besteht, überhaupt sprechen zu lernen. Ich involvierte meine Familie und auch eine liebe Nachbarin, die in ihrem Studium mit dem Erlernen der Gebärdensprache befasst war.

Sie verhalf mir zu einem tollen Buch („Der Schrei der Möwe“ von Emmanuelle Laborit). Es sollte nicht das einzige Buch bleiben, das ich in diesem Zusammenhang kaufte. Dazu kamen Bücher über die Deutsche und die Amerikanische Gebärdensprache, DVDs; ich lud mir Apps auf mein Smartphone, mein Tablet und meinen Laptop, die mit Videos helfen, die Gesten richtig zu machen. Ich erlernte das internationale Alphabet und der beste Weg, dies zu tun, ist vor dem Spiegel, um die Gesten ‚live’ zu beobachten.

Ich wollte noch im Herbst mit meinem Studium beginnen. Selbst in einer Universität von Colorado/USA bin ich registriert, um irgendwann mit einem Fernstudium beginnen zu können.

Mir kam dann im Jahr 2014 einiges ‚dazwischen’. Privater Natur. Beruflicher Natur. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis ich mich diesem Thema intensiver widmen würde.

Wenn man eine andere Sprache nicht spricht, kann man sich noch immer mit Gesten, Wortfetzen und sanften, lauten, bestimmenden, beschaulichen Tonlagen in der Stimme weiterhelfen, um jemandem beizustehen, ein Problem zu lösen. Bei gehörlosen Menschen fällt das komplett weg.

Auch wenn ich dieses Studium offiziell nie begonnen habe, da sich Lebenswege anders kreuzten, als ich es geplant hatte, so lehre ich mich selbst immer wieder mit der einen oder anderen Geste und häufigen Zeichen.

Vielleicht kann ich für irgendjemand einmal einen positiven Unterschied machen.


… there was another way of understanding.

Little gesture, good help.

Sometime during the spring of 2014, a long-time interest of mine caught up with me which I had engaged myself for quite a while. Housework had to be done and I had the TV on in the background. There was a movie that concerned itself with the subject of acquired deafness and Sign Language.

For some time, I had been interested to learn this specific language, although I never had been in a situation, whichwould have justified this immediate interest. This would change the very next day:

I had to run several errands in the city, and among them I went to the Post Office where I wanted to mail a package. There was only one counter open and I was third in line. As always I was a bit time constraint, but not enough to cancel my endeavor. Finally it was the turn of the young man ahead of me – and from the very beginning it seemed that there was some kind of communication problem.

What was going on? Didn’t he know what he wanted?

My watch had my full attention. I always try to keep my distance from the business of a client ahead of me when I am in a bank, a Post- or some other office. The young guy seemed to talk with his hands and legs – which finally drew my attention more than the passing time. Maybe he didn’t know German and I could help with English? I am always glad to step in to support if it helps – and I don’t appear pushy.

I know how difficult it is sometimes to convey a message, trying to find the right word or verb to express exactly what you want. It is easy to back out in situations like this, which end up more often than not in giving-up or trying things differently another time, not to forget the disappointment about yourself and your very own limits.

So – could I help?

As it turned out, I couldn’t. I realized that the young man used a language I was not able to offer. Sign Language. Here I was standing – helpless – even more helpless than him because he knew about his fate, which somehow touched me personally. Just the day before I had seen that movie and was thinking how interesting it would be to learn this language. I looked around. Could anybody speak Sign Language?

I gathered all my courage and asked out loud into the waiting crowd: „Does anybody know Sign Language?

The girl from the Post Office looked up to me and I could see a hint of relief in her face. She asked her client to wait a moment, using a gesture how all communicating people do. Less than a minute later she returned with a colleague of hers who actually spoke Sign Language. 

I was touched, relieved that there was help. Somehow, I was happy that I had taken this little bit of courage to ask that question out loud. In this very moment I came to a decision: I want to learn this language, both in German as well as English. 

The same afternoon I started various kinds of research, started to read more specifics about Sign Language, deafness, and about difficulties of Hearing Impairment from birth onto even being able to learn to speak. I involved my family and a very nice neighbor who had learned Sign Language during her time in college.

She was the one to get me a great book („The Caw of the Seagull“ by Emmanuelle Laborit). It wouldn’t remain the only book that I purchased concerning this subject. Added were books about German and American Sign Language, DVDs, I downloaded apps on my smartphone, my tablet as well as on my laptop, which help to do the ‘gestures’ correctly. I learned the international alphabet – and the best way to do so is in front of a mirror watching your gestures ‚live‘.

I wanted to start at the University that same fall. I even registered myself at a college in Colorado/USA to start an online study in the future.

The year 2014, however, had some surprises for me – of private nature as well as job-related. But it was only a question of time until I would dedicate myself more intensively to this subject. 

If you don’t speak different languages, you can still help yourself with gestures, parts of words and smooth, loud, firm, contemplative sound pitches in your voice to support someone to solve a situation. Yet, with strongly hearing impaired or deaf people this fails completely. 

Even though I have never officially started this Uni-course because life paths crossed differently than I had planned, I keep on teaching myself the one or the other gesture and frequent signs.

Maybe I can make a positive difference for someone someday.

… eine kleine abgeschiedene Almhütte.

Wie ein erster Eindruck trügen kann.

Meine Großeltern mütterlicherseits, die in der Obersteiermark lebten, hatte für viele Jahrzehnte eine kleine Almhütte gemietet, und wir Kinder wuchsen mit diesem Kleinod auf und auch mit dem schönen Gefühl, sich einfach zurückziehen zu können mit dem Komfort des Nicht-Komforts. Damit meine ich kein fließendes Wasser, Toilette irgendwo im Wald, keine Elektrizität – also richtig schön urig.

Leider lief der Mietvertrag nach 50 Jahren aus und wurde nicht erneuert. Somit war dieses Lebensgefühl für uns inzwischen Erwachsene nun verloren gegangen. 

Mein Bruder Michael allerdings gab nicht auf, an diesem Traum festzuhalten und über Umwege und die Hilfe eines Freundes unserer Familie, gelang es ihm nach einigen Jahren Suche ein ähnliches Objekt zu mieten.

Einsam gelegen. Privatbesitz einer sehr freundlichen älteren Dame. Auf einer sehr kleinen Waldlichtung und wirklich abgeschieden in absolut ruhiger Lage.

Kurz und gut – ein Traum zum Ausspannen und Abschalten.

Wir freuten uns alle für Michael, und so lud er uns ein, die Hütte einmal zu besuchen. Einfach einmal die Lage zu genießen und in der Zukunft die eine oder andere Auszeit mit ihm dort zu verbringen.

Zu viert fuhren wir an einem Wochenende zu seiner Hütte und dort angekommen, waren wir wirklich beeindruckt von der isolierten Lage und des herrlichen Naturschauspiels rund um dieses kleine Holzgebäude. Mein Bruder stellte in seiner Begeisterung fest, dass hier sicher nie jemand vorbeikommen würde, und er dieses Plätzchen für sich hatte. 

Die Bank vor der Hüttentüre lud zum Verweilen ein und so genossen wir die Ruhe, von der mein Bruder bereits so geschwärmt hatte, das Grün der Umgebung inhalierend …

Der friedliche Moment dauerte allerdings nicht lange. Ein Auto näherte sich. Sehen konnten wir es nicht, aber hören. Wie in einer Bewegung standen wir auf und sahen über die Böschung hinunter – den Blick auf den grasüberwachsenen Forstweg gerichtet.

Nicht zu glauben. Es war die Polizei!

Wir sahen uns dann doch erstaunt an. Was konnte die Polizei denn von uns wollen – hier in dieser beneidenswerten Einöde? Der Streifenwagen fuhr direkt bis vor den Holzzaun vor der Hütte und zwei Beamte stiegen aus. Spannung. Irgendwie. Darauf waren wir nun wirklich nicht vorbereitet gewesen. 

Der Fahrer des Polizeiautos eröffnete das Gespräch.

Grüß Gott. Wir sind Ihnen bis hierher gefolgt und würden Sie gerne etwas fragen.“

Wir beantworteten den Gruß höflich und waren selbstverständlich bereit, Auskunft zu geben, sofern wir das konnten. Die Beamten waren auf der Suche nach einem Mann, der vermisst wurde und wollten wissen, ob wir ihn gesehen hätten. Es folgte eine Beschreibung und mein Vater erwähnte, dass er einen Hut am Wegesrand gesehen hatte. Schwarzer, abgetragener Filzhut. Die Beamten notierten das.

Der Beschreibung nach kannte mein Bruder den Mann als Mitarbeiter der Besitzerin der Hütte, aber nicht so gut, dass er einen Aufenthaltsort wissen würde. Sorge bereitete, dass der Gesuchte einen Brief in seiner Unterkunft hinterlassen hatte, der auf Schlimmeres schließen ließ. Wir waren alle – obwohl wir ihn nicht beziehungsweise kaum kannten, bestürzt. 

Die Beamten ließen ihre direkten Kontaktnummern und die der Zentrale für uns da und baten um Hinweise, falls uns etwas auffallen sollte. Mit der Besitzerin der Hütte waren sie bereits selbst in Kontakt. 

Schließlich fuhren die Polizeibediensteten wieder und die Ruhe kehrte zurück. Trotzdem war alles irgendwie in Grau getaucht. Wir schüttelten bestürzt den Kopf und konnten gar nicht fassen, wie schnell sich eine Stimmung ändern konnte. 

Trotzdem versuchten wir nun die Stille in uns aufzunehmen, was aber sehr kurzfristig wieder gestört wurde. Ein recht lautes Gedröhn näherte sich der Hütte auf demselben Weg, den die Polizei gerade zur Abfahrt genutzt hatte.

Ein recht großer Traktor kam den Weg entlang und erschütterte die kleine Holzhütte. Mein Bruder verließ den eingezäunten Bereich und ging dem Fahrer des Traktors entgegen. Sie tauschten ein paar Worte aus und dann kam Michael zur Hütte zurück. Anscheinend mussten einige Baumstrünke, die in der Kehre lagen, abtransportiert werden, und so hatten wir für rund 30 Minuten ein Rattern und Knattern und Kettenklirren und Dröhnen, bis die Sache erledigt war. Dann konnten wir wieder dem Vogelgezwitscher und dem Bienensummen lauschen und uns der Ruhe erfreuen.

Nachdem aber aller guter Dinge drei sind, waren wir gar nicht mehr erstaunt, als zum dritten Mal ein Gefährt vorrückte. Jetzt war es die Vermieterin der Hütte und natürlich war sie sehr besorgt um ihren Mitarbeiter. Sie hatte Michaels Auto von ihrem Almhaus gesehen, ein paar Kehren weiter unten und hatte es erst jetzt geschafft, heraufzukommen, um ihm – nun natürlich auch uns – die beunruhigende Geschichte zu erzählen und ihr Herz auszuschütten. Natürlich würden wir uns sofort melden, würde Walter – so hieß der Vermisste – irgendwo auftauchen oder sich melden.

Michaels Vermieterin verabschiedete sich wieder und fuhr dahin. 

Bei späteren Besuchen dieses stillen Plätzchens wussten wir, dass Michael recht gehabt hatte. Niemand kam hier vorbei. Nicht einmal Wanderer oder Förster. Der erste Eindruck, der uns wie ein schlechter Film vorgekommen war, war falsch gewesen. Hier sagten sich Fuchs und Hase tatsächlich friedlich gute Nacht.

Zum Glück war dieser schöne Ort auch nicht mit negativen Nachrichten verwünscht durch die Unauffindbarkeit Walters. Es hatte sich herausgestellt, dass er sich finanziell übernommen und in einem Alkohol bereicherten Zustand diesen mysteriösen Brief geschrieben hatte. Michaels Vermieterin, Walters Chefin half ihm nach einem langen Gespräch wieder auf die Beine und zurück in geordnete Bahnen

Der Idylle stand somit nichts mehr im Wege. Inzwischen haben wir schon einige Familiengeburtstage dort gefeiert, und es kommen hoffentlich noch viele dazu. Abseits von Telefonsignal, Elektrizität, fließendem Wasser und ‚Zivilisation‘. Eben einfach nur schön.


… a small, secluded alpine cabin.

How a first impression can be deceptive.

My grandparents on my mother’s side, who lived in Upper Styria, had rented a small alpine cabin for many decades and us children grew up with this gem and also with the nice feeling of simply being able to withdraw with the comfort of ‘non-comfort’. I mean no running water, the toilet somewhere in the woods, no electricity – really nice and rustic.

Unfortunately, the lease expired after 50 years and was not renewed. So, this particular lifestyle feeling had now been lost for us as adults.

My brother Michael, however, did not give up on holding on to this dream and through detours and the help of a friend of our family, he managed to rent a similar property after years of searching.

Standing alone. Privately owned by a very friendly elderly lady. In a very small forest clearing and extremely secluded in an absolutely quiet location.

In short – a dream to relax and unwind.

We were all happy for Michael and so he invited us to visit the cabin finally. Simply to enjoy the location and in the future spending some time off there with him.

One weekend the four of us drove to his cabin and when we arrived, we were really impressed by the isolated location and the wonderful natural spectacle around this small wooden building. My brother mentioned in his enthusiasm that nobody would ever come by here and that he had this place to himself.

The bench in front of the house door invited us to linger and so we enjoyed the peace and quiet that my brother had already raved about, inhaling the green of the surroundings …

The peaceful moment, however, did not last very long. Five minutes at most. A vehicle approached. We couldn’t see it yet, but we could hear it. As if in one movement, we all got up and looked over the small balcony down the embankment – our gaze directed at the grass-overgrown – obviously very seldom traveled – forest path.

Unbelievable! It was the police!

We looked at each other in astonishment. What could the police want from us – here in this enviable wasteland? The police car drove right up to the wooden fence in front of the cabin and two officers got out. Tension. Somehow. We really weren’t prepared for that.

The driver of the police car opened the conversation.

Hello there. We have followed you this far and would like to ask you something.”

Politely we answered the greeting and were of course ready to provide any information if we could. The officers were looking for a man who was missing and wanted to know if we had seen him. A description followed and my father mentioned that he had seen a hat by the side of the road. Black, worn, felt hat. The officers made a note of this. According to the description, my brother knew the man as an employee of the owner of the cabin, but not so well that he would know any possible whereabouts. There was concern that the person wanted had left a letter in his accommodation that suggested nothing good. We were all dismayed – although we hardly knew or didn’t know him.

The officers left their direct contact numbers and those of the headquarters for us and asked for information if we noticed anything. They were already in contact with the owner of the cabin.

Eventually the police left and the calm returned. Still, everything was now somehow covered in gray. We shook our heads in dismay and couldn’t believe how quickly a mood could change.

Nevertheless, we tried to take in the silence, which was disturbed again after a very short time. A very loud roar approached the hut on the same path that the police had just used to leave.

A rather large tractor came along the path and shook the little wooden house. My brother left the fenced-in area and went to meet the driver of the tractor. They exchanged a few words and then Michael came back. Apparently, some tree stumps that were lying in the band had to be removed and so we had a commotion and rattle and chain clink and roar for about 30 minutes until the job was done. Then we could again listen to the twittering of birds and the humming of bees and enjoy the peace and quiet.

All good things come in threes, so we were no longer astonished when, yet another vehicle came around. Now it was the landlady of the cabin and of course she was very worried about her co-worker. She had seen Michael’s car from her alpine house, a few switchbacks down, and had only now managed to come uphill to tell him – now of course us too – the disturbing story and pour out her heart. Of course, we would contact her immediately if Walter – that was the missing person’s name – showed up somewhere.

Michael’s landlady said her goodbyes and drove off.

On subsequent visits to this quiet place, we learned that Michael was right. Nobody came by here. Ever. Not even hikers or forest rangers. The first impression, which seemed like a bad movie, was wrong. Here he was really in the sticks.

Fortunately, this beautiful place was not cursed with negative news due to the fact that Walter had gone missing. He was found later, and it turned out that he had run into depts and had written this mysterious letter in an alcohol-enriched state. Michael’s landlady – and Walter’s boss – helped him get back on his feet after a long conversation and get back on track.

Nothing stood in the way of the idyll now. We have already celebrated a few family birthdays there, and hopefully there will be many more. Away from the phone signal, electricity, running water and ‚civilization‘. Simply beautiful.